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len und Nachtigallen das große Auferſtehungsfeſt zu⸗ ſammen feiern. Dieſer Gedanke hatte mich Jahre lang gelabt, wie den Wüſtenwanderer die Quellenreiche Haſe, wie den ausgewanderten Schweizer das Alp⸗ horn ſeiner Berge. Jetzt endlich war er in Erfüllung gegangen. War ich nicht glücklich?
Die Morgenluft ſtrich ſtärkend über die Ebene. Noch lag dieſe grau und eintönig vor mir, aber da⸗ hinter ſtand der Frühling mit ſeinen Blumen und Liedern.
Drei wunderſchöne Frühlinge waren mir zu Grunde gegangen in dem Lärm des Stadtlebens, in der Un⸗ ruhe der Geſchäfte. Nie hatte ich Zeit gehabt, die Roſenblüthe in poetiſcher Ruhe zu bewundern. Ich kam entweder zu früh oder zu ſpät, wo der Roſenrothe Frühling längſt am Boden lag. Mein Leben war dem Scheintode zu vergleichen: denn nur von der Poeſie geröthete Stunden hat man gelebt.
Der Wagen rollte unverdroſſen weiter. Ich ent⸗ ſann mich, dieſen Weg während meines Aufenthaltes in L. oft zurückgelegt zu haben, meiſt in unerquick⸗ licher, herzbeengender Geſellſchaft. Die Reiſe ging da regelmäßig bis zu dem ein Stündchen von der Stadt entfernten Gaſthauſe„der Lindwurm“. Hier ward Kaffee getrunken, ſich ennuyirt, und dann nach der Stadt zurückgefahren.
Wie jubekte ich, als beim Lindwurm nicht ange⸗ halten, ſondern vorbeigefahren wurde, ſo daß das Gaſthaus bald weit hinter mir zurückwich. Je länger ich fuhr, deſto unbekannter ward die Gegend, deſto woh⸗ ler ward mir. Allmälig wuchſen Berge am Horizont empor: ein erquickender Anblick für Jeden, der lange Zeit in troſtloſer Ebene gelebt hat.
Doch ich will den Leſer mit der Beſchreibung


