Kreuze und betete, oder ſie ſaß auf den flachen Steinen vor demſelben, und die Ziege ſtand vor ihr.
Dieſe Frau hatte ein Kind. Das Kind war ein Mädchen, und war ſo außerordentlich ſchön, daß man ſich kaum etwas Schöneres auf Erden zu denken vermag. Aber wenige Menſchen bekamen das Kind zu ſehen; denn es war immer in dem Stübchen, und wenn die Frau auf längere Zeit fortging, ſperrte ſie dasſelbe ein. Sie nährte es von der Milch der Ziege, von dem Mehle, das ihr der Schwarzmüller oder andere gaben, und von manchem Haupte Kohl oder Gemüſe, das ihr die Leute auf Rai⸗ nen oder auf Aeckern auszuſetzen erlaubten.
Als das Kind größer geworden war, er chien es wohl auch bei den Spielen der Kinder auf dem Platze zu Pichletn, allein es ſtand nur immer da, und ſah zu, entweder weil es nicht mitſpielen durfte, oder weil es nicht mitſpielen wollte. Gegen Abend ging es allein unter den Föhren⸗ ſtämmen herum, oder es ging in das weiße Häuschen zurück.
In Oberplan herrſcht der Glaube, daß dasjenige, um was man die ſchmerzhafte Mutter Gottes um guten Waſſer am erſten Beichttage in⸗ brünſtig und aufrichtig bittet, in Erfüllung gehen werde. Der erſte Beichttag der Kinder iſt aber immer vor Oſtern, dem wichtigſten Feſte des ganzen Jahres. So wichtig iſt das Feſt, daß die Sonne an demſel⸗ ben nicht wie an jedem andern Tage langſam aufgeht, ſondern in drei freudenreichen Sprüngen über die Verge empor hüpft. An dieſem Feſte bekommen die Leute ſchöne Kleider, die friſchen Fahnen und Kirchenbe⸗ hänge werden ausgelegt, und die Natur feiert die Ankunft des Frühlings. Damit nun auch die Kinder ſo rein ſeien, wie die Kleider, die Kirchen⸗ fahnen und der Frühling, müſſen diejenigen, welche zum erſten Male zur Beichte gehen, dieſes vor dem Oſterſonntage thun. Viele Wochen vor⸗ her werden ſie ſchon unterrichtet, und die Vorbereiteten ausgeleſen. Wenn der Tag angebrochen iſt, werden die Erwählten gewaſchen, ſchön angezogen, und von ihren Eltern zur Thür des Pfarrhofes geführt. Wenn der Pfarrer öffnet, dürfen die Kinder eintreten, und die Eltern gehen wieder nach Hauſe. In dem Innern des Pfarrhofes werden ſie geordnet, und da ſtehen ſie mäuschenſtille, und jedes hat einen Zettel in der Hand, auf welchem Name und Alter ſteht. Wenn an einem die hei⸗ lige Handlung vorüber iſt, geht es zerknirſcht und demüthig in den Hin⸗ tergrund. Wenn Alle fertig ſind, wird gebetet, es wird eine Anrede ge⸗


