Rachdem wir nun den Schauplatz beſchrieben haben, gehen wir zu dem über, was ſich dort zugetragen hat.
Wenn man von dem rothen Kreuze über den Berg nach Weſten hin⸗ abgeht, ſo daß die Häuſer von Oberplan vor den Augen verſinken, ſo geht man Anfangs zwiſchen den dichten Wachholderſtauden, dann be⸗ ginnt feiner Raſen, und dann ſtehen zuerſt dünne und dann dichter ein⸗ zelne Föhrenſtämme, welche die Pichlerner Weide heißen, weil einſtens das Vieh zwiſchen ihnen herum ging und weidete. Wenn man aber aus den Föhrenſtämmen hinaus getreten iſt, ſo ſteht ein weißes Häuschen. Nicht weit davon, etwa zwei Büchſenſchüſſe, beginnen Felder und Wie⸗ ſen, in denen das Dorf Pichlern liegt, durch das ein ſchöner Bach der Moldau zufließt.
Das weiße Häuschen iſt vor vielen Jahren von den Beſitzern der Schwarzmühle zu Pichlern zu dem Zwecke erbaut worden, daß es allemal einem alten Dienſtboten, der lange und treu in der Schwarzmühle gedient hatte, als Wohnung gegeben werde. Wenn auch das Häuschen einſam am Rande der Weide liegt, ſo liegt es doch, wie es für das Alter nöthig iſt, gegen die Sonne gekehrt, und iſt durch die Bäume vor den Winden geſchützt.
Zur Zeit, als das Kirchlein auf dem Berge ſchon ſtand, als es aber noch ſo früh war, daß eben die Tage unſerer Großeltern im Anbrechen waren, lebte in dem weißen Häuschen eine Frau, die zwar kein Dienſt⸗ bote in der Schwarzmühle geweſen war, der man aber doch aus Mild⸗ thätigkeit das Häuschen eingeräumt hatte, weil eben kein geeigneter Dienſtbote vorhanden geweſen war. Die Frau hatte nur eine Ziege, welche in dem Ställchen des Häuschens angebunden war. Sie ſelber hatte das Stübchen daneben. Das Winterholz, welches aus lauter dün⸗ nen Stäben beſtand, die ſich die Frau im Walde geſammelt hatte, war um das Häuschen aufgeſchlichtet, ſo daß nur die Fenſter durch kleine Oeffnungen heraus ſchauten, und das Dach auf dem Holze aufzuliegen ſchien. Wenn ſehr ſchönes Wetter herrſchte, ging ſie gerne mit ihrer Ziege an den Zäunen gegen den Kramwiesbach hinaus, und ließ ſie die ver⸗ ſchiedenen Blätter von den Geſträuchen des Zaunes freſſen, oder ſie war
häufig auf dem Kreuzberge, wo ſie zwiſchen den Steinen und den Wach⸗ holdergeſträuchen die ſchlechten Blätter ausrauſte, oder die blauen Beeren in ihre Schürze ſammelte. Manchmal kniete ſie auch an dem rothen


