Teil eines Werkes 
3. Band (1855)
Entstehung
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hinter der Kapelle geſtanden war, nun zwiſchen den Brunnenhäuschen ſteht, und dadurch geſchah es, daß der Pflaſterweg, der früher zur Ka⸗ pelle hätte führen ſollen und unvollendet geblieben war, nun ohne Ziel und Zweck in dem Raſen liegt. Ein Nachfolger des Pfarrers ließ den jungen Weg von Oberplan zu dem Kirchlein machen, pflanzte die jungen Bäume an ſeine Seiten, und ließ von den Schulkindern die kleinen Steine von ihm weg leſen, die ſich aus Zufall dort eingefunden hatten.

Das Kirchlein iſt das nämliche, das noch heut zu Tage ſteht. Das Thürmchen mit den hellklingenden Glocken ſteht gegen Sonnenaufgang, die Mauern ſind weiß, nur daß ſie an den Simſen und Fenſtern hoch⸗ gelbe Streifen haben, die langen Fenſter ſchauen alle gegen Mittag, daß eine freundliche Helle iſt, und an ſchönen Tagen ſich der Sonnenſchein über die Kirchſtühle legt. Das Gnadenbild befindet ſich auf dem Hoch⸗ altare, ſo daß, wenn am Morgen die Sonne aufgeht, ein lichter Schein um ſein Haupt iſt, wie einſtens im Waſſer, da es ſich dem Blinden ent⸗ deckte. Manche Menſchen haben Koſtbarkeiten und andere Dinge in das Kirchlein geſpendet. Wie ſehr es gehegt und gepflegt werde, hängt jedesmal von dem Pfarrer in Oberplan ab. Jttzt iſt immer, wenn nicht gar ſchlechtes Wetter iſt, die zweite Meſſe vben, und immer finden ſich Andächtige ein, die ihr beiwohnen. Selbſt in der heißen Erntezeit, wo Alles auf den Feldern iſt, ſitzen wenigſtens einige Mütterlein da, und

beten zu dem wunderthätigen Bilde. Die Bewohner der Gegend verehren

das Kirchlein ſehr, und Mancher, wenn er in den fernen Wäldern geht und durch einen ungefähren Durchſchlag derſelben das weiße Gebäude auf vem Berge ſieht, macht ein Kreuz, und thut ein kurzes Gebet.

Wann das Kreuz auf dem Gipfel geſetzt worden iſt, ob es ſammt dem Namen des Berges ſchon vor dem Kirchlein vorhanden geweſen, oder erſt ſpäter entſtanden iſt, weiß kein Bewohner von Oberplan oder von den umliegenden Ortſchaften anzugeben.

Die Oberplaner gehen ſehr gerne auf den Berg, beſonders an Sonntagnachmittagen, wenn es Sommer und ſchön iſt. Sie gehen in das Kirchlein, gehen unter den Wachholderſtauden herum, gehen zu dem rothen Kreuze und zu den zwei Brunnenhäuschen. Da koſten ſie von dem Waſſer, und waſchen ſich ein wenig die Stirne und die Augenlider. Die Kinder gehen wohl auch an andern Tagen hinauf, um unter den Wachholderſträuchen geſtreifte Schneckenhäuſer zu ſuchen.