Teil eines Werkes 
3. Band (1855)
Entstehung
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ßer und ſehr alter Baum, der gewaltige Aeſte, eine rauhe aufgeworfene Rinde, und mächtige in die Erde eingreifende Wurzeln hat. An ſeinem Fuße liegen mehrere regelmäßige Steine, die wohl zufällig dort liegen mögen, die aber wie zum Sitzen hingelegt ſcheinen. Den Namen be⸗ ſchrieben mag die Tanne von den vielen Herzen, Kreuzen, Namen und andern Zeichen erhalten haben, die in ihrem Stamme eingegraben ſind. Natürlich iſt ſie einmal ein Tännling geweſen, die Steine, an denen ſie ſtand, mochten zum Sitzen eingeladen, und es mochte einmal einer ſei⸗ nen Namen oder ſonſt etwas in die feine Rinde eingeſchnitten haben. Die verharſchenden Zeichen haben einen Andern angereizt, etwas dazu zu ſchneiden, und ſo iſt es fortgegangen, und ſo iſt der Name und die Sitte geblieben. Der beſchriebene Tännling ſteht mitten in dem ſtillen Walde, und die andern Tannen ſtehen tauſendfach und unzählig um ihn herum. Oft mögen ſie noch größer und mächtiger ſein, als er. Der Wald, dem ſie angehören, iſt ein Theil jener dunkelnden großen und ſtarken Wal⸗ dungen, die über den ganzen emporgehobenen Landſtrich gebreitet ſind, der ſich zwiſchen Böhmen und Baiern dahin zieht.

In dieſen Waldungen iſt auch da, wo ſie ſich gegen das öſterreichi⸗ ſche Land hinziehen, ein helles lichtes Thal geöffnet, von dem wir an der zweiten Stelle unſerer Geſchichte nach dem beſchriebenen Tännling reden müſſen, weil ſich in ihm ein großer Theil von dem, was wir erzählen wollen, zugetragen hat. Das Thal iſt ſanft und breit, es iſt von Oſten

gegen Weſten in das Waldland hinein geſchnitten, und iſt faſt ganz von Bäumen entblößt, weil man, da man die Wälder ausrottete, viel von dem Ueberfluſſe der Bäume zu leiden hatte, und von dem Grundſatze ausging, je weniger Bäume überblieben, deſto beſſer ſei es In der Mitte des Thales iſt der Marktflecken Oberplan, der ſeine Wieſen und Felder um ſich hat, in nicht großer Ferne auf die Waſſer der Moldau ſieht, und in größerer mehrere herumgeſtreute Dörfer hat. Das Thal iſt ſelber wieder nicht eben, ſondern hat größere und kleinere Erhöhungen. Die bedeutendſte iſt der Kreuzberg, der ſich gleich hinter Oberplan erhebt, von dem Walde, mit dem er einſtens bedeckt war, entblößt iſt, und ſei⸗ nen Namen von dem blutrothen Krenze hat, das auf ſeinem Gipfel ſteht. Von ihm aus überſieht man das ganze Thal. Wenn man neben dem rothen Kreuze ſteht, ſo hat man unter ſich die grauen Dächer von Ober⸗ plan, dann deſſen Felder und Wieſen, dann die glänzende Schlange der