12 Der graue Strauch.
Wn man die Karte des Herzogthumes Krumau anſieht, welches im ſüdlichen Böhmen liegt, ſo findet man in den dunkeln Stellen, welche die großen Wälder zwiſchen Böhmen und Baiern bedeuten, allerlei ſelt⸗ ſame und wunderliche Namen eingeſchrieben; zum Beiſpiele:„zum Hochficht“,„zum ſchwarzen Stocke“,„zur tiefen Lake“,„zur kalten Mol⸗ dau“ und dergleichen. Dieſe Namen bezeichnen aber nicht Ortſchaften oder gar Herbergen, die ſolche Schilder führen, ſondern ganz einfache Waldesſtellen, die hervorgehoben ſind, um gewiſſe Linien und Rich⸗ tungen anzugeben, nach denen man in den weiten Forſten ohne Weg oder anderes Merkmal gehen könnte. Die Namen ſind von denjenigen Leuten erfunden worden, welche am meiſten ohne Weg und Bezeichnung im Walde zu gehen pflegen, nämlich von Jägern und Schleichhändlern. Wie aber ſinnliche Menſchen, das heißt ſolche, deren Kräfte vorzugsweiſe auf die Anſchauung gerichtet ſein müſſen, ſchnell die bezeichnenden Ei⸗ genſchaften der Dinge finden, ſind auch dieſe Namen meiſtens von ſehr augenfälligen Gegenſtänden der Stellen genommen.
So heißt es auch in einem großen Flecke, der auf der Seite des böhmiſchen Landes liegt,„zum beſchriebenen Tännling.“ Einen Tänn⸗ ling nennt man aber in der Gegend eine junge Tanne, die jedoch nicht größer ſein darf, als daß ſie noch ein Mann zu unfaſſen im Stande iſt. Wenn nun ein Wanderer wirklich zu der Stelle geht, auf welcher es zum beſchriebenen Tännling heißt, ſo ſieht er dort allerdings eine Tanne ſtehen, aber dieſelbe iſt kein Tännling mehr, ſondern ein rieſenhaft gro⸗ W


