Das alte Weib hatte, als das Abendmahl aus war, nach und nach die Schüſſeln, Teller und andere Reſte desſelben fort getragen; jetzt kam auch Chriſtoph, den Victor, ſeit er mit ihm hieher gekommen war, nicht mehr geſehen hatte.
Der Oheim ſagte zu dem hereintretenden Diener:„Sperre ihnen die Stallthür gut zu, daß keiner heraus komme, laſſe ſie aber vorher auf dem Sande unten ein wenig herum gehen.“
Auf dieſe Worte erhoben ſich die drei Hunde, wie auf ein bekanntes Zeichen. Zwei folgten Chriſtoph von ſelber, den dritten nahm er bei dem Balge und ſchleppte ihn hinaus.
„Ich werde Dir Deine Schlafkammer ſelber zeigen,“ ſagte der Oheim zu Victor.
Er ging bei dieſen Worten in die Tiefe des Zimmers, wo es bedeu⸗ tend dunkel war, weil nur ein Licht auf dem Tiſche brannte. Dort nahm er von einem Geſtelle, oder ſonſt von etwas, das man nicht erkennen konnte, einen Handleuchter, kam wieder hervor, zündete die Kerze des Handleuchters an, und ſagte:„Jetzt folge mir.“
Victor nahm ſein Ränzlein mit dem einen Riemen in den Arm, faßte ſeinen Stab, zog den Spitz an der Schnur, und ging hinter dem Oheime her. Dieſer führte ihn bei der Thür hinaus in einen Gang, in welchem der Reihe nach uralte Käſten ſtanden, dann rechtwinklich in einen andern, und endlich eben ſo in einen dritten, der durch ein eiſernes Gitter ver⸗ ſchloſſen war. Der Oheim öffnete das Gitter, führte Victor noch einige Schritte vorwärts, öffnete dann eine Thür und ſagte:„Hier ſind Deine zwei Zimmer.“
Victor trat in zwei Gemächer, wovon das erſte größer, das zweite kleiner war.
„Du kannſt den Hund in die Nebenkammer einſperren, daß er Dir nichts thut,“ ſagte der Oheim,„und die Fenſter verſchließe wegen der Nachtluft.“
Mit dieſen Worten zündete er die auf dem Tiſche des erſten Zim⸗ mers ſtehende Kerze an, und ging ohne Weiters fort. Victor hörte, daß er das Gitter des Ganges zuſperre, dann verklang der ſchleiſende Tritt der Pantoffeln, und es war die Ruhe der Todten im Hauſe. Um ſich zu überzeugen, daß er hinſichtlich des Gitters recht gehört habe, ging Victor


