Teil eines Werkes 
3. Band (1855)
Entstehung
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Eſſen geſeſſen war, war ein dichter Teppich gebreitet, und auf dem Tep⸗ piche lagen drei alte fette Hunde, denen der Greis von Zeit zu Zeit bald eine Krebsſcheere, bald eine Mandel, bald ein Stückchen Zuckerwerk hinab gereicht hatte. Schon als Victor mit dem Spitz eingetreten war, hatten alle drei geknurrt, und während dem Eſſen, wenn er dem armen Spitz ein Stückchen hinab reichte, grinſten ſie wieder und ließen ein ſchwaches Mur⸗ ren hören.

So lange der Oheim bei ſeinem Nachtmahle beſchäftigt geweſen war, hatte er zu Victor nicht geſprochen, gleichſam, als wäre zu keinem andern Dinge Zeit; jetzt aber ſagte er:„Haſt Du das Gerippe doch wieder mit geſchleppt. Wer ein Thier hat, muß es auch ernähren können. Ich habe Dir den Rath gegeben, daß Du es in den See würfeſt, aber Du haſt ihn nicht befolgt. Die Hunde der Studenten habe ich nie leiden können; ſie ſind, wie traurige Geſpenſter. Und gerade dieſes Volk will immer Hunde haben. Wo haſt Du ihn denn mit genommen, und brachteſt ihn zu mir, ohne ihm unter Weges etwas zu freſſen zu geben?“

„Es iſt der Hund meiner Ziehmutter, Oheim,“ ſagte Victor,„ich habe ihn nirgends mit genommen, weder gekauft noch ertauſcht; ſondern am dritten Tage nach meiner Abreiſe iſt er mir nach gekommen. Er muß ſtark gerannt ſein, was er in ſeinem früheren Leben nicht gewohnt war; er muß auch große Angſt ausgeſtanden haben, wozu er ebenfalls bei der Ziehmutter nie Urſache gehabt hatte— und deßhalb iſt er in den datauf folgenden Tagen ſo mager geworden, wie er nie geweſen iſt, obwohl ich ihm gegeben habe, was er nur immer verlangte. Erlaubt daher, daß ich ihn in eurem Hauſe bei mir behalte, damit ich ihn der Ziehmutter wieder übergeben kann, ſonſt müßte ich ſogleich zurück reiſen und ihn ihr über⸗ bringen.“

„Und da haſt Du ihn immer ſo Tag und Nacht bei Dir gehabt?“

„Freilich.“

„Daß er Dir einmal die Kehle abfrißt.“

„Das thut er ja nie. Wie fiele ihm denn das ein? Er iſt bei mei⸗ nen Füßen gelegen, wenn ich raſtete oder ſchlief, er hat ſein Haupt auf dieſelben gelegt, und er würde eher erhungern, ehe er mich verließe oder mir ein Leid thäte.“

„So gib ihm zu eſſen, und denke auf das Waſſer, daß er nicht wü⸗ thend wird.“