Teil eines Werkes 
3. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

unbegteiflich nachgekommen. Victor ging eben in ſehr ſtüher Morgen⸗ ſtunde auf einem kühlen, breiten, feuchten Landwege durch einen Wald empor, als er umſchauend, wie er es öfter zu thun pflegte, um ſich an den Blitzen der naſſen Tannen zu ergötzen, ein Ding gewahrte, das ſich eilfertig gegen ihn heran bewegte. Aber wie ſtaunte er, als die dunkle Kugel näher gekommen an ihm empor ſprang und ſich als den alten ehr⸗ lichen Spitz ſeiner Ziehmutter auswies. Aber in welchem Zuſtande war er: die ſchönen Haare hatten ſich durch Koth verklebt und waren bis zur Haut hinein mit weißem Straßenſtaube angefüllt, die Augen waren roth und entzündet; da er raſche Freudentöne ausſtoßen wollte, konnte er nicht; denn ſeine Stimme war heiſer geworden, und da er auch Freu⸗ denſprünge verſuchte, fiel er mit dem Hintergeſtelle in den Graben.

Du armer lieber Spitz, ſagte Victor, indem er ſich zu ihm nie⸗ der kauerte;ſiehſt du nun, du altes thörichtes Haus, was du da für Unſinn unternommen haſt?

Aber der Spitz wedelte auf dieſe Worte, als hätte er das größte Lob empfangen.

Das erſte, was der Jüngling that, war, daß er ihn mit einem

Tuche etwas abwiſchte, damit er doch beſſer ausſähe. Dann nahm er zwei Brode heraus, die er heute früh zu ſich geſteckt hatte, wenn ihm etwa ein Bettelmann begegnete, ſetzte ſich auf einen Stein und begann ſie dem Spitze ſtückweiſe vorzuwerfen, der ſie heißhungrig und eilig ver⸗ ſchlang, und zuletzt noch immer auf die Hände des Jünglings ſchaute, als dieſe ſchon längſtens leer waren.

Jetzt habe ich nichts mehr, ſagte Victor,aber wenn wir zu dem eiſten Bauernhauſe kommen, kaufen wir eine Schüſſel Milch, die du ganz allein ausfreſſen darfſt.

Der Spitz ſchien beruhigt, als hätte er die Worte verſtanden.

Einige Schritte weiter weg, wo von einem moſigen Felſen ein dün⸗

nes Waſſerfädlein herab rann, fing Victor in ſeinem ledernen Reiſebe⸗

cher, den ihm die Mutter gegeben hatte, ſo viel Waſſer auf, bis er voll war, und wollte dem Spitz zu trinken geben. Allein dieſer koſtete nur ein wenig und ſchaute dann den Geber erwartend an; denn er war nicht durſtig und mochte wohl aus allen den hundert Gräben und Bächen ge⸗ trunken haben, über die er gekommen war.

Dann gingen ſie mit einander weiter, und in dem erſten Wirths⸗