hauſe ſchrieb Victor einen Brief an die Mutter zurück, daß der Spitz bei ihm ſei, und daß ſie ſich nicht kränken möge.
In Hinſicht der Milch hatte Victor redlich Wort gehalten. Auch ſonſt bekam der Spitz von nun an ſo viel, als er nur unterzubringen vermochte; allein, obgleich er auf dieſem Wege in einem Tage mehr ver⸗ zehrte, als zu Hauſe kaum in dreien, ſo verfiel er doch durch die Nachwir⸗ kung der ungewohnten Anſtrengung, die weiß Gott wie furchtbar gewe⸗ ſen ſein mag, ſo ſehr, daß er gleichſam nur mehr in ſeiner eigenen Haut hängend neben dem Jünglinge hertrabte.
„Es wird ſich ſchon beſſern, es wird ſich ſchon beſſern,“ dachte die⸗ ſer, und ſie ſchritten weiter.
Grübelig blieb es Victor immer, warum ihm denn das Thier gerade dieſes eine Mal nachgekommen ſei, da es doch ſonſt, wenn er auch Tage lang fort war, auf einen einfachen Befehl zu Hauſe geblieben ſei und auf ihn gewartet habe. Aber dann ſchloß er nicht unrecht, daß der Spitz, deſſen ganze Lebensaufgabe es war, das Thun und Laſſen ſeines höheren Freundes, des Knaben, zu beobachten, ganz wohl gewußt habe, daß die⸗
ſer nun auf immer fort gehe, und daß er darum das Aeußerſte unter⸗
nommen habe, um ihm zu folgen.
Und ſo ſchritten ſie nun mit einander fort; über Hügel zu Hügeln, über Felder zu Feldern— und oſt konnte man den Jüngling ſehen, wie er an einem Wieſenbache den Hund wuſch und ihn mit Gräſern und Laubwerk trocknete— oft, wie ſie ruhig neben einander gingen— und oft, wie der Hund neben ſeinem Herrn ſtand und die Augen zu ihm em⸗ por richtete, wenn dieſer auf einer Anhöhe ſtille hielt und weit und breit über die Auen ſchaute, über die langen Streifen der Felder, über die dunkeln Flecken der Wäldchen und über die weißen Kirchthürme der Dörfer.
An dem Wege des Wanderers wallten oft die Wellen des Kornes, das Jemanden gehören mußte, Zäune umgaben es, die Jemand gezogen haben mußte, und Vögel flogen nach dieſen und jenen Richtungen, wie nach verſchiedenen Heimathen. Victor hatte ſeit Tagen mit keinem Men⸗ ſchen geſprochen, als wenn ihn etwa ein Fuhrmann oder ein Wanderer grüßte, oder der Wirth zum Abſchiede das Käppchen lüftete und ſagte: „Glückliche Reiſe— auf Wiederſehen.“
Am achten Tage, nachdem er die Mutter und ſein Thal verlaſſen


