Und dann wandelte er weiter.
Er kam immer höher empor, der Raum legte ſich zwiſchen ihn und das Haus, das er verlaſſen hatte, und die Zeit legte ſich zwiſchen ſeine jetzigen Gedanken und die letzten Worte, die er in dem Hauſe geredet hatte. Sein Weg führte ihn ſtets an Berghängen hin, über die nie er gegangen war— bald kam er aufwärts, bald abwärts, im Ganzen aber immer höher. Es war ihm lieb, daß er nicht mehr in die Stadt hatte gehen müſſen, um ſich zu beurlauben, weil er die Bekannten heute nicht gerne geſehen hätte. Die Meierhöfe und Wohnungen, die ihm auſſtie⸗ ßen, lagen bald rechts, bald links von ſeinem Wege— hie und da ging ein Menſch und achtete ſeiner nicht.
Der Mittag zog herauf und er wandelte fort und fort.
Die Welt wurde immer größer, wurde glänzender und wurde rings⸗ um weiter, da er vorwärts ſchritt— und überall, wo er ging, waren tauſend und tauſend jubelnde Weſen.
4. Wanderung.
Und noch größer und noch glänzender wurde die Welt, die tauſend jubelnden Weſen waren überall, und Victor ſchritt von Berg zu Berg, von Thal zu Thal, den großen kindiſchen Schmerz im Herzen und die friſchen ſtaunenden Augen im Haupte tragend. Jeder Tag, den er ferne von der Heimath zubrachte, machte ihn feſter und tüchtiger. Die uner⸗ meßliche Oede der Luft ſtrich durch ſeine braunen Locken; die weißen wie Schnee glänzenden Wolken bauten ſich hier auf, wie ſie ſich in ſeinem mütterlichen Thale aufgebaut hatten; ſeine ſchönen Wangen waren be⸗ reits dunkler gefärbt, das Ränzlein trug er auf ſeinem Rücken und den Reiſeſtab in der Hand. Das einzige Weſen, das ihn an die Heimath band, war der alte Spitz, der furchtbar abgemagert neben ihm her lief. Am dritten Tage nach der Abreiſe war er ihm nämlich unvermuthet und


