„Ich bitte Dich, nimm es, Hanna, Du thuſt mir einen ſehr großen Gefallen, wenn Du es nimnſt.“
„Wenn ich Dir einen großen Gefallen thue, ſo will ich es nehmen, und es Dir aufheben, bis Du komnſt, und es Dir ſorgfältig bewahren.“
„Und die Relken pflege, die armen Dinge an der Planke— hörſt Du— und vergiß den Spitz nicht; er iſt zwar ſchon alt, aber ein treues Thier.“
„Nein, Victor, ich vergeſſe ihn nicht.“
„Aber ach, das iſt es ja alles nicht, was ich eigentlich zu ſagen habe—— ich muß etwas anderes ſagen.“
„Nun ſo rede, Victor!“
„Die Mutter hat geſagt, ich möchte heute noch ein freundliches Wort zu Dir ſagen, weil wir öfter mit einander gezankt haben— ich möchte noch gut reden, ehe ich auf immer fort gehe—— und da bin ich gekommen, Hanna, um Dich zu bitten, daß Du nicht auf mich böſe ſeieſt.“
„Wie redeſt Du nur, ich bin ja in meinem ganzen Leben nicht böſe auf Dich geweſen.“
„O ich weiß es jetzt recht gut, Du biſt immer die Gequälte und Geduldige geweſen.“
„Victor, ängſtige mich nicht, daß iſt Dir nur heute ſo.“
„Nein, Du warſt immer gut, ich dachte es nur nicht ſo. Höre mich an, Hanna, Dir will ich mein ganzes Herz ausſchütten: ich bin ein un⸗ beſchreiblich unglücklicher Menſch.“
„Heiliger Gott! Victor, mein lieber Victor! was iſt Dir denn ſo ſchwer?“.
„Siehſt Du, den ganzen Tag hängen mir die niederziehenden Thrä⸗ nen in dem Haupte, ich muß ſie zurück halten, daß ſie mir nicht aus den Augen fallen. Als ich nach dem Mittagseſſen an dem traurigen Waſſer und an dem Buchengewände hinauf ging, war es nicht eigentlich lange Weile, ſondern, daß mich nur keine Augen anſchauen möchten—— und da dachte ich mir: ich habe doch gar Niemand auf der ganzen großen weiten Erde, keinen Vater, keine Mutter, keine Schweſter. Mein Oheim bedroht mir meine wenigen Habſeligkeiten, weil ihm mein Vater ſchuldig war, und die Einzigen, die mir Gutes thun, muß ich verlaſſen.“
„O Victor, lieber Victor, kränke Dich nicht zu ſehr. Dein Vater


