„Armes Thier!“
„Ja— und in unſern Zeiten trennt man ihn auch von ſeinem ar⸗ men Vaterlande— ſiehſt Du, Hanna— wo er auf ſonnigen Maulbeer⸗ bäumen herum kriechen könnte, und füttert ihn in unſern Stuben mit Blättern, die draußen wachſen und auch nicht ſo heiter ſind, wie in ihrem Vaterlande.—— Und die Schwalben, und die Störche und die andern Zugvögel gehen im Herbſte von uns fort, vielleicht weit, weit in die Fremde; aber ſie kommen im Frühlinge wieder.—— Es muß die Welt doch eine ungeheure, ungeheure Größe haben.“
„Mein armer Victor, rede nicht ſolche Dinge.“
„Ich möchte Dich um etwas fragen, Hanna.“
„So frage mich, Victor.“
„Ich muß Dir noch vielmal danken, Hanna, daß Du mir die ſchöne Geldbörſe gemacht haſt. Das Gewebe iſt ſo fein und weich, und die Farben ſind recht ſchön. Ich habe ſie mir aufbewahrt, und werde kein Geld hinein thun.“
„Ach, Victor, das iſt ja ſchon lange her, daß ich Dir die Börſe gab, und es iſt nicht der Mühe werth, daß Du mir dankſt. Thue Du nur Dein Geld hinein, ich werde Dir eine neue machen, wenn dieſe ſchlecht wird, und ſo immer fort, daß Du nie einen Mangel haben ſollſt. Ich habe Dir zu Deiner jetzigen Abreiſe noch etwas gemacht, das viel ſchöner iſt, als die Börſe, aber die Mutter wollte, daß ich es Dir erſt heute Abends oder morgen früh geben ſollte.“
„Das freut mich, Hanna, das freut mich ſehr.“
„Wo biſt Du denn den ganzen Nachmittag geweſen, Victor?“
„Ich bin an dem Bache hinaufgegangen, weil ich ſo lange Weile hatte. Ich habe in das Waſſer geſchaut, wie es ſo eilig und emſig un⸗ ſerm Dorfe zurieſelt, wie es ſo dunkel und wieder helle iſt, wie es um die Steine und um den Sand herum trachtet, um nur bald in das Dorf zu kommen, in welchem es dann doch nicht bleibt. Ich habe das Stein⸗ übergehänge angeſchaut, das da ſteht und unaufhörlich in die Wellen blickt. Zuletzt bin ich in den Buchenwald hinauf gegangen, wo die Stämme ſchön ſein werden, wenn ein oder zwei oder gar zehn Jahre verfloſſen ſind. Die Mutter hat mir von einem Platze erzählt, wo ein flacher Stein über ein Brünnlein liegt, und eine alte Buche mit einem tiefen langen Aſte ſteht. Ich konnte den Platz nicht finden.“
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