Teil eines Werkes 
3. Band (1855)
Entstehung
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ſtruppigen geſchornen Buſche Stücke eines Seidenſtoffes herab zu leſen, die in einem getrennten Kleide beſtanden, gefärbt worden waren, und unter Tags zum Trocknen ſich auf dem Buſche befunden hatten. Stück nach Stück nahm fie herab, und legte ſie auf ein Häufchen zuſammen. Da ſie nach einer Weile umblickte, ſah ſie Victor im Garten bei der großen Roſenhecke ſtehen.

Später ſah ſie ihn wieder bei der Hecke des blauen Hollunders ſte⸗ hen, der ſchon Knospen hatte. Der Hollunder aber war viel näher gegen ſie her, als die Roſenhecke. Dann ging er wieder ein wenig weiter, und endlich kam er zu ihr herzu, und ſagte:Ich will Dir etwas hinein tra⸗ gen helfen, Hanna.

Ach nein, Victor, ich danke Dir, antwortete ſie,es ſind ja nur ein paar leichte Läppchen, die ich färbte und hier trocknen ließ.

Hat ſie Dir die Sonne denn nicht ſehr ausgezogen?

Nein; dieſes Blau muß man in die Sonne legen, vorzüglich in die Frühlingsſonne, da wird es immer ſchöner.

Nun und iſt es ſchön geworden?

Sieh her.

Ach ich verſtehe es doch nicht.

Es iſt nicht ſo ſchön geworden, wie die Bänder im vorigen Jahre, aber doch ſchön genug.

Es iſt ſehr feine Seide.

Sehr fein.

Gibt es noch feinere?

Ja, es gibt noch viel feinere.

Und möchteſt Du recht viele ſchöne ſeidene Kleider haben?

Nein; ſie ſind zum Feſttagsgewande ſehr vorzüglich; aber da man nicht viel Feſtgewand braucht, ſo wünſche ich nicht viel Seide. Die an⸗ dern Kleider ſind auch ſchön, und Seide iſt immer ein ſtolzes Tragen.

Iſt der Seidenwurm nicht ein recht armes Ding?

Warum, Victor?

Weil man ihn tödten muß, um ſein Gewebe zu bekommen.

Thut man das?

Ja, man ſiedet ſein Geſpinnſt im Waſſerdunſt, oder reichert es in Schwefel, damit das Thier drinnen ſtirbt; denn ſonſt frißt es die Fäden durch, und kömmt als Schmetterling heraus.