Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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an ſeinen Wimpern zwei harte Tropfen hingen. Ich ging gegen ihn, und fragte ihn, was ihm ſei. Er antwortete leiſe:Ich habe kein Kind.

Brigitta mußte mit ihrem ſcharfen Gehöre die Worte vernommen haben; denn ſie erſchien in dieſem Augenblicke unter der Thür des Zim⸗ mers, ſah ſehr ſcheu auf meinen Freund, und mit einem Blicke, den ich nicht beſchreiben kann, und der ſich gleichſam in der zaghafteſten Angſt nicht getraute, eine Bitte auszuſprechen, ſagte ſie nichts, als das einzige Wort:Stephan.

Der Major wendete ſich vollends herum beide ſtarrten ſich eine Sekunde an nur eine Sekunde dann aber vorwärts tretend lag er eines Sturzes in ihren Armen, die ſich mit maßloſer Heftigkeit um ihn ſchloſſen. Ich hörte nichts, als das tiefe leiſe Schluchzen des Mannes, wobei das Weib ihn immer feſter umſchlang, und immer feſter an ſich drückte.

Nun keine Trennung mehr, Brigitta, für hier und die Ewigkeit.

Keine, mein theurer Freund!

Ich war in höchſter Verlegenheit und wollte ſtille hinaus gehen; aber ſie hob ihr Haupt und ſagte:Bleiben Sie, bleiben Sie.

Das Weib, das ich immer ernſt und ſtrenge geſehen hatte, hatte an ſeinem Halſe geweint. Nun hob ſie, noch in Thränen ſchimmernd, die Augen und ſo herrlich iſt das Schönſte, was der arme, fehlende Menſch hienieden vermag, das Verzeihen daß mir ihre Züge wie in unnachahmlicher Schönheit ſtrahlten und mein Gemüth in tiefer Rüh⸗ rung ſchwamm.

Arme, arme Gattin, ſagte er beklommen,fünfzehn Jahre mußte ich Dich entbehren und fünfzehn Jahre warſt Du geopfert.

Sie aber faltete die Hände, und ſagte bittend in ſein Antlitz blickend: Ich habe gefehlt, verzeihe mir, Stephan, die Sünde des Stolzes ich habe nicht geahnt, wie gut Du ſeiſt es war ja blos natürlich, es iſt ein ſanftes Geſetz der Schönheit, das uns ziehet.

6r hielt ihr den Mund zu, und ſagte:Wie kannſt Du nur ſo reden, Brigitta ja, es zieht uns das Geſetz der Schönheit, aber ich mußte die ganze Welt durchziehen, bis ich lernte, daß ſie im Herzen

liegt, und daß ich ſie daheim gelaſſen in einem Herzen, das es einzig gut

mit mir gemeint hat, das feſt und treu iſt, daß ich verloren glaubte, und das doch durch alle Jahre und Länder mit mir gezogen. O Brigitta, Mutter meines Kindes! Du ſtandeſt Tag und Nacht vor meinen Augen.