mit Ohnmachten kämpfen. Er ward in das Bett gebracht, und ſofort ein Bote an den Arzt und einer an Brigitta abgefertigt. Der Major blieb bei dem Bette und ſorgte, daß keine der Ohnmachten überhand nehmen könne. Als der Arzt kam, gab er ein ſtärkendes Mittel, erklärte die Sache für durchaus ungefährlich, und ſagte, daß der Blutverluſt ſel⸗ ber ein Heilmittel geweſen ſei, da er die Heftigkeit der Entzündung min⸗ dere, die ſonſt ſolchen Bißwunden gerne folge. Das einzige Krankheits⸗ übel ſei die Gewalt der Gemüthsbewegung, und ein paar Tage Ruhe werde das Fieber und die Abſpannung gänzlich heben. Man war be⸗ ruhigt und erfreut, und der Arzt ſchied unter den Dankſagungen aller; denn es war keiner, der den Knaben nicht liebte. Gegen Abend erſchien Brigitta, und nach ihrer entſchloſſenen Art ruhte ſie nicht eher, als bis ſie den Körper ihres Sohnes Glied um Glied geprüft und ſich überzeugt hatte, daß außer der Bißwunde nichts vorhanden ſei, das ein Uebel drohen könnte. Als die Unterſuchung vorüber war, blieb ſie doch noch an dem Bette ſitzen, und reichte nach der Vorſchrift des Arztes die Arznei. Für die Nacht mußte ihr ein ſchnell zuſammengerafftes Bette in dem Krankenzimmer gemacht werden. Am andern Morgen ſaß ſie wieder ne⸗ ben dem Jünglinge, und horchte auf ſeinen Athem, da er ſchlief und ſo ſüß und erquickend ſchlief, als wolle er nie mehr erwachen.— Da ge⸗ ſchah ein herzerſchütternder Auftritt. Ich ſehe den Tag noch vor Augen. Ich war hinab gegangen, um mich nach dem Befinden Guſtav's zu er⸗ kundigen, und trat in das Zimmer, das neben dem Krankengemache be⸗ findlich war, ein. Ich habe ſchon geſagt, daß die Fenſter gegen den Gar⸗ ten hinaus gingen: die Nebel hatten ſich gehoben, und eine rothe Win⸗ terſonne ſchaute durch die entlaubten Zweige in das Zimmer herein. Der Major war ſchon zugegen, er ſtand an dem Fenſter, das Angeſicht gegen das Glas gekehrt, als ſähe er hinaus. Im Krankengemache, durch deſſen Thür ich hinein ſchaute, und deſſen Fenſter durch ganz leichte Vorhänge etwas verdunkelt war, ſaß Brigitta und ſah auf ihren Sohn. Plötzlich entrang ſich ihren Lippen ein freudiger Seußer, ich blickte genauer hin, und ſah, daß ihr Auge mit Süßigkeit an dem Antlitze des Knaben hänge, der die ſeinigen offen hatte; denn er war nach langem Schlafe aufge⸗ wacht und ſchaute heiter um ſich. Aber auch auf der Stelle, wo der Major geſtanden war, hatte ich ein leichtes Geräuſch vernommen, und wie ich hinblickte, ſah ich, daß er ſich halb umgewendet hatte, und daß
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