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geworden, als jedes andere in meinem Leben, das ich für eines gehalten habe.“
Er hatte dieſe Worte ohne alle Leidenſchaft geſagt, aber mit einer ſolchen Ruhe der Gewißheit, daß ich in meinem Herzen von der Wahr⸗ heit derſelben vollſtändig überzeugt war. Mir geſchah es in dieſem Augen⸗ blicke beinahe, was ſonſt nicht meine Art iſt, daß ich den Major um dieſe Freundſchaft und um ſein häusliches Wirken beneidete; denn ich hatte damals recht auf der ganzen Welt nichts Feſtes, um mich daran zu hal⸗ ten, als etwa meinen Wanderſtab, den ich wohl in Bewegung ſetzte, die⸗ ſes und jenes Land zu ſehen, der aber doch nicht recht nachhalten wollte.
Als wir nach Hauſe kamen, trug mir der Major an, daß ich noch den Sommer und Winter bei ihm zubringen möchte. Er hatte begonnen, mich mit größerer Vertraulichkeit zu behandeln, und mich tiefer in ſein Leben und ſein Herz blicken zu laſſen, daß ich eine große Liebe und Rei⸗ gung zu dem Manne faßte. Ich ſagte alſo zu. Und da ich dieſes nun einmal gethan hätte, ſagte er, ſo wolle er mir auch ſogleich einen Ge⸗ ſchäftszweig ſeines Hauſes auftragen, den ich ſtändig beſorgen ſollte— es würde mich nicht reuen, ſagte er, und würde mir gewiß in der Zukunft von Rutzen ſein. Ich willigte ebenfalls ein, und in der That, es war mir von Nutzen. Daß ich nun einen Hausſtand habe, daß ich eine liebe Gattin habe, für die ich wirke, daß ich nun Gut um Gut, That um That in unſern Kreis herein ziehe, verdanke ich dem Major. Als ich einmal ein Theil jenes einträchtigen Wirkens war, das er entfaltete, wollte ich doch die Sache ſo gut machen, als ich konnte, und da ich mich übte, machte ich ſie immer beſſer, ich war nütze und achtete mich— und da ich die Süßigkeit des Schaffens kennen lernte, erkannte ich auch, um wie viel mehr werth ſei, was ein gegenwärtig Gutes ſetzt, als das bisherige Hin⸗ ſchlendern, das ich Erfahrungen ſammeln nannte, und ich gewöhnte mich an Thätigkeit.
So ging die Zeit nach und nach hin, und ich war unendlich gerne in Uwar und ſeiner Umgebung.
Ich kam in dieſen Verhältniſſen öfter nach Maroshely. Man achtete mich, und ich war faſt wie ein Glied der Familien, und lernte die Sach⸗ lage immer beſſer kennen. Von einer unheimlichen Leidenſchaft, von einem ſieberhaften Begehren, oder gar von Magnetismus, wie ich gehört hatte, war keine Spur. Dagegen war das Verhältniß zwiſchen dem Major und


