Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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ich ſchon oben ſagte, nicht durch ihre Beſitzungen herum führen, ſondern uns nur Geſellſchaft leiſten wollte. Da wir zu dem Hauſe zurückkehrten, war es Eſſenszeit. Zum Mahle kam auch Guſtav, der Sohn Brigitta's, mit ziemlich verbrannten Wangen, ein lieblich ſchlanker Jüngling, eine Blume von Geſundheit. Er hatte heute an der Stelle der Mutter die Felder beſucht, und die Arbeiten eingetheilt, und berichtete ihr jetzt man⸗ ches mit kurzen Worten. Bei Tiſche ſaß er horchend und beſcheiden un⸗ ten an; in ſeinen ſchönen Augen lag Begeiſterung für die Zukunft und unendliche Güte für die Gegenwart. Da auch, wie bei dem Major, das Geſinde mit an dem Tiſche ſaß, ſo bemerkte ich meinen Freund Miloſch, der mich zum Zeichen alter Bekanntſchaft grüßte.

Der größte Theil des Nachmittages verging mit Beſichtigung meh⸗ rerer Veränderungen, die dem Major neu waren, mit einer Runde im Garten, und mit einem Gange durch den Weinberg.

Gegen Abend nahmen wir Abſchied. Da wir unſere Kleider zuſam⸗ men ſuchten, machte Brigitta dem Major einen Vorwurf, daß er neulich in der Nachtluft von Gömör weg in leichten Kleidern nach Hauſe geritten ſei ob er denn nicht wiſſe, wie tükiſch die Thauluft dieſer Ebene ſei, daß er ſich ſo ausſetze?! Er vertheidigte ſich nicht, und ſagte, er werde in Zukunft ſchon vorſichtiger ſein. Ich aber wußte recht gut, daß er da⸗ mals ſeine Bunda Guſtav aufgenöthigt hatte, der ohne eine gekommen war, und dem er vorgelogen hatte, daß er noch eine andere im Stalle lie⸗ gen habe. Dieſes Mal aber ſchieden wir mit allem hinlänglich verſorgt und verwahrt. Brigitta ſelbſt bekümmerte ſich um jedes, und ging erſt in das Haus zurück, als wir ſchon in unſern dichten Oberkleidern zu Pferde ſaßen, und der Mond aufging. Sie hatte dem Major noch ein paar Aufträge gegeben, und beurlaubte ſich dann mit einfacher edler Freund⸗ lichkeit.

Die Geſpräche der zwei Menſchen waren den ganzen Tag über ruhig und heiter geweſen, aber mir ſchien es, als zitterte eine heimliche Innig⸗ keit durch, der ſich beide ſchämten Raum zu geben, wahrſcheinlich, weil ſie ſich für zu alt hielten. Auf dem Rückwege aber ſagte der Major zu mir, als ich mich einiger wahrhafter aufrichtiger Lobesworte auf dieſe Frau nicht enthalten konnte: Freund! ich bin oft in meinem Leben heiß begehrt worden, ob auch ſo geliebt, weiß ich nicht; aber die Geſellſchaft und die Achtung dieſer Frau iſt mir ein größeres Glück auf dieſer Welt