—
Hier redete man häufig von den Veränderungen, die erſt jüngſt in ihrem Hauſe entſtanden waren. Wenn ſie hiebei auf Dinge ſeines Hauſes kam, war es mir, als läge eine Art Zärtlichkeit darinnen, wie ſie ſich um die⸗ ſelben bekümmerte. Sie zeigte ihm den neuen hölzernen Säulengang am Gartengeſchvſſe des Hauſes, und fragte, ob ſie Reben hinan ziehen ſolle; an ſeinen Hoffenſtern, meinte ſie, ließe ſich auch ſo ein Ding anbringen, wo es ſich in der Spätherbſtſonne recht angenehm ſitze. Sie führte uns in den Park, der vor zehn Jahren ein wüſter Eichenwald geweſen war; jetzt gingen Wege durch, floſſen eingehegte Quellen, und wandelten Rehe. Sie hatte durch unſägliche Ausdauer um den ungeheuren Umfang desſel⸗ ben eine hohe Mauer gegen die Wölfe aufführen laſſen. Das Geld hiezu zog ſie langſam aus ihrem Viehſtande, und aus den Maisfeldern, deren Pflege ſie ſehr empor gebracht hatte. Als die Einhegung fertig war, ging man in einem geſchloſſenen Jagen Schritt für Schritt durch jede Stelle des Parkes, um zu ſehen, ob man nicht etwa einen Wolf zu künftiger Brut mit eingemauert habe. Aber es war keiner zugegen. Dann erſt wurden Rehe in die Einhegung geſetzt, und für Anderes Vorkehrungen gemacht. Die Rehe, ſchien es, wußten das alles und dankten ihr dafür; denn, wenn wir manches bei unſerem Gange ſahen, war es nicht ſcheu und blickte mit den dunkeln, glänzenden Augen gegen uns herüber. Bri⸗ gitta führte ihre Gäſte und Freunde recht gerne durch den Park, weil fie ihn liebte. Wir kamen oben auch zur Anlage der Faſanen. Wie wir ſo durch die Wege gingen, und weiße Wolken durch die Eichenwipfel herein ſchauten, gewann ich Gelegenheit, Brigitta zu bettachten. Ihre Augen, ſchien es mir, waren noch ſchwärzer und glänzender, als die der Rehe, und mochten heute beſonders hell ſtrahlen, weil der Mann an ihrer Seite ging, der ihr Wirken und Schaffen zu würdigen verſtand. Ihre Zähne waren ſchneeweiß, und der für ihre Jahre noch geſchmeidige Wuchs zeigte von unverwüſtlicher Kraft. Da ſie den Major erwartet hatte, war ſie in Frauenkleidern und hatte ihre Geſchäfte bei Seite geſetzt, weil ſie den Tag für uns widmete.
Unter Geſprächen der verſchiedenſten Art, von der Zukunft des Lan⸗ des, von Hebung und Verbeſſerung des gemeinen Mannes, von Bearbei⸗ tung und Benützung des Bodens, von Ordnung und Einſchränkung des Donauſtromes, von ausgezeichneten Perſönlichkeiten der Vaterlands⸗
freunde, kamen wir durch den größten Theil des Parkes, da ſie uns, wie 24*


