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der Name der Familie ſtammte. Nach der Scheidung nahm ſie ihren ur⸗ ſprünglichen Namen Maroshely wieder an, und begab ſich in das Haide⸗ haus, um ſich dort zu verbergen.
So wie ſie einſtens, wenn man ihr wohl aus Mitleiden eine ſchöne Puppe gegeben hatte, dieſelbe nach kurzer Freude wieder weg warf, und ſchlechte Dinge in ihr Bettchen trug, als Steine, Hölzchen und der⸗ gleichen; ſo nahm ſie jetzt auch ihr größtes Gut, das ſie hatte, nach Maroshely mit, ihren Sohn, pflegte und hütete ihn, und ihr Auge hing einzig und allein über dem Bettchen desſelben.
Wie er größer wurde, und ſein kleines Auge und ſein Herz ſich er⸗ weiterte, that es auch das ihre mit; ſie begann die Haide um ſich zu ſehen, und ihr Geiſt fing an, die Oede rings um ſich zu bearbeiten. Sie nahm Männerkleider, ſtieg wieder, wie einſt in ihrer Jugend, zu Pferde, und erſchien unter ihrem Geſinde. Wie der Knabe ſich nur auf einem Pferde halten konnte, war er überall mit, und die thätige, ſchaffende, heiſchende Seele ſeiner Mutter floß allgemach in ihn. Dieſe Seele griff immer weiter um ſich, der Himmel des Erſchaffens ſenkte ſich in ſie; grüne Hügel ſchwellten ſich, Quellen rannen, Reben flüſterten, und in das öde Steinfeld war ein kraftvoll weiterſchreitend Heldenlied gedichtet. Und die Dichtung trug, wie ſie thut, auch ihren Segen. Manche ahmten nach, es erhob ſich der Verein, Entferntere wurden begeiſtert, und hie und da auf der öden blinden Haide ſchlug ſich ein menſchlich freies Wal⸗ ten, wie ein ſchönes Auge auf.
Nach fünfzehn Jahren, während welchen Brigitta auf Maroshely hauſte, kam der Major, indem er ſeinen Landſitz Uwar, wo er ſonſt nie geweſen war, bezog. Von dieſem Weibe lernte er, wie er mir ſelber ſagte, Thätigkeit und Wirken— und zu dieſem Weibe faßte er jene tiefe und verſpätete Reigung, von der wir oben erzählt haben.
Nachdem nun, wie am Eingange des Abſchnittes erwähnt wurde, dieſer Theil aus Brigitta's früherem Leben erzählt iſt, gehen wir wieder in der Entwicklung der Zuſtände weiter, wo wir ſie gelaſſen.
Stifter. 4. Aufl. H.


