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nehmen ſcheu, faſt zaghaft. Er redete beinahe nichts mit ihr. Sie ſelber that ihm keinen einzigen, auch nicht den kleinſten Schritt entgegen.
Als ſich nach einiger Zeit wieder einmal eine Gelegenheit ergab, mit ihr allein zu ſprechen, deren manche früher ſchon ungenützt vorüber gegangen waren, nahm er ſich den Muth, er redete ſie an und ſagte, daß ihm erſcheine, daß ſie ihm abgeneigt ſei— und wenn dies ſo wäre, ſo habe er die einzige Bitte, ſie möchte ihn doch kennen lernen, vielleicht ſei er doch ihrer Aufmerkſamkeit nicht ganz unwerth, vielleicht habe er Ei⸗ genſchaften, oder könne ſich dieſelben erwerben, die ihm ihre Hochachtung gewännen, wenn auch nichts, das er noch heiliger wünſchte.
„Nicht abgeneigt, Murai,“ antwortete ſie,„o nein, nicht abgeneigt; aber ich habe auch eine Bitte an Sie: thun Sie es nicht, thun Sie es nicht, werben Sie nicht um mich, Sie würden es bereuen.“
„Warum denn, Brigitta, warum denn?“
„Weil ich,“ antwortete ſie leiſe,„keine andere Liebe fordern kann, als die allerhöchſte. Ich weiß, daß ich häßlich bin, darum würde ich eine höhere Liebe fordern, als das ſchönſte Mädchen dieſer Erde. Ich weiß es nicht, wie hoch, aber mir iſt, als ſollte ſie ohne Maß und Ende ſein. Seh'n Sie— da nun dies unmöglich iſt, ſo werben Sie nicht um mich. Sie ſind der Einzige, der darnach fragte, ob ich auch ein Herz habe, gegen Sie kann ich nicht falſch ſein.“
Sie hätte vielleicht noch mehr geſagt, wenn nicht Leute herzu ge⸗ kommen wären; aber ihre Lippe bebte vor Schmerz.
Daß Murai's Herz durch dieſe Worte nicht beſchwichtigt, ſondern nur noch mehr entflammt wurde, begreift ſich. Wie einen Engel des Lich⸗ tes verehrte er ſie, er blieb zurück gezogen, ſein Auge ging an den größ⸗ ten Schönheiten, die ihn umringten, vorüber, das ihre mit ſanfter Bitte zu ſuchen. So war es unabänderlich fort. Auch an ihr begann nun die dunkle Macht und die Größe des Gefühles in der verarmten Seele zu zittern. An beiden erſchien es voffen. Die Umgebungen begannen das Unglaubliche zu ahnen, und man erſtaunte unverhohlen. Murai legte ſeine Seele entſchieden vor dem Angeſichte aller Welt dar. Eines Tages, in einem einſamen Zimmer, da die Muſik, zu deren Anhörung man zu⸗ ſammen gekommen war, von ferne her erſcholl, da er vor ihr ſtand und nichts redete, da er ihre Hand faßte, ſie ſanft gegen ſich ziehend, wider⸗ ſtand ſie nicht, und da er ſein Angeſicht immer mehr gegen ſie neigte,


