Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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vernahm ſie ſeinen Tritt zu ihr, und ſah dann auch in der Dunkelheit, daß er ſich neben ſie ſtellte. Er ſprach nichts, als gewöhnliche Dinge, aber wenn man auf ſeine Stimme horchte, ſo war es, als ſei etwas Furchtſames in derſelben. Er lobte die Racht, und ſagte, daß man ihr Unrecht thue, wenn man ſie ſchelte, da ſie doch ſo ſchön und milde ſei, ſie allein umhülle, ſänftige und beruhige das Herz. Dann ſchwieg er, und ſie ſchwieg auch. Als ſie wieder in das Zimmer getreten war, ging er auch hinein, und ſtand lange an einem Fenſter.

Da Brigitta in dieſer Nacht zu Hauſe angelangt war, da ſie ſich in ihr Zimmer begeben hatte, und den Putzflitter Stück um Stück von dem Leibe nahm, trat ſie im Nachtgewande vor den Spiegel, und ſah lange, lange hinein. Es kamen ihr Thränen in die Augen, die nicht verſiegten, ſondern mehreren Platz machten, die hervor drangen und herab rannen. Es waren die erſten Seelenthränen in ihrem ganzen Leben geweſen. Sie weinte immer mehr und immer heftiger, es war, als müßte ſie das ganze verſäumte Leben nachholen, und als müßte ihr um vieles leichter werden, wenn ſie das Herz heraus geweint hätte. Sie war in die Knie geſunken, wie ſie es öfters zu thun gewohnt war, und ſaß auf ihren eigenen Fü⸗ ßen. Auf dem Boden neben ihr lag zufällig ein Bildchen, es war ein Kinderbildchen, auf dem dargeſtellt war, wie ſich ein Bruder für den an⸗ dern vopfere. Dieſes Bildchen drückte ſie an ihre Lippen, daß es zerknit⸗ tert und naß wurde.

Da endlich die Quellen nachgelaſſen hatten, und die Kerzen herab gebrannt waren, ſaß ſie noch anf der Erde vor dem Spiegeltiſche, gleich⸗ ſam wie ein ausgeweintes Kind und ſann. Es lagen die Hände in dem Schooße, die Schleifen und Krauſen des Nachtgewandes waren feucht, und hingen ohne Schönheit um den keuſchen Buſen. Sie ward ſtiller und unbeweglicher. Endlich ſchöpfte ſie ein paar Mal friſchen Athem, fuhr mit der flachen Hand über die Augenwimpern und ging zu Bette. Als ſie lag, und die Nachtlampe, die ſie nach ausgelöſchten Kerzen hinter einen kleinen Schirm geſtellt hatte, düſter brannte, ſagte ſie noch die Worte:Es iſt ja nicht möglich, es iſt ja nicht möglich!

Dann entſchlummerte ſie.

Als ſie in der Zukunft wieder mit Murai zuſammen kam, war es, wie früher: er zeichnete ſie nur noch mehr aus, aber ſonſt war ſein Be⸗