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Es waren viele Menſchen zugegen, und da ſie einmal durch eine Gruppe derſelben hindurch blickte, ſah ſie zwei dunkle ſanfte Jünglings⸗ augen auf ſie geheftet. Sie blickte gleich wieder weg. Da ſie ſpäter noch einmal hinſchaute, ſah ſie, daß die Augen wieder gegen ſie gerichtet ge⸗ weſen ſeien. Es war Stephan Murai, der ſie angeblickt hatte.
Ungefähr acht Tage darnach wurde bei ihrem Vater getanzt. Murai war auch geladen, und kam, da ſchon die meiſten zugegen waren, und der Tanz bereits begonnen hatte. Er ſchaute zu, und da man ſich zum zweiten Tanze zuſammengeſtellt hatte, bat ſie mit beſcheidener Stimme um einen Tanz. Sie ſagte, daß ſie nie tanzen gelernt habe. Er verbeugte ſich und miſchte ſich wieder unter die Zuſchauer. Später ſah man ihn tanzen. Brigitta ſetzte ſich hinter einem
Tiſche auf ein Sopha und ſah dem Treiben zu. Murai ſprach mit ver⸗
ſchiedenen Mädchen, tanzte und ſcherzte mit ihnen. Er war an dieſem Abende beſonders lieb und verbindlich geweſen. Endlich war die Unter⸗ haltung aus, man zerſtreute ſich nach allen Richtungen, um ſeine Be⸗ hauſung zu ſuchen. Als Brigitta in ihr Schlafgemach gekommen war, das ſie mit vielen Bitten und Trotzen ihren Eltern abgerungen hatte, daß ſie es allein bewohnen durfte, und als ſie ſich dort entkleidete, ſchoß ſie im Vorbeiſtreifen einen Blick in den Spiegel, und ſah die braune Stirne durch denſelben gleiten, und die rabenſchwarze Locke, die ſich um die Stirne ſchlang. Dann ging ſie, da ſie weder beim Anziehen noch beim Ausziehen ein Dienſtmädchen um ſich litt, gegen ihr Bett, deckte es ſelber ab, ſchlug die ſchneeweißen Linnen von ihrem Lager, das ſie ſich immer ſehr hart machen ließ, zurück, legte ſich darauf, that den ſchlanken Arm unter ihr Haupt, und ſchaute mit den ſchlafloſen Augen gegen die Decke des Zimmers.
Als nun in der Folge öfters Geſellſchaften waren, und Brigitta denſelben beiwohnte, wurde ſie wieder von Murai bemerkt, ſie wurde von ihm ſehr ehrfurchtsvoll gegrüßt, und wenn ſie ging, brachte er ihr das Tuch, und wenn ſie fort war, hörte man auch gleich darauf ſeinen Wagen unten rollen, der ihn nach Hauſe führte.
Dies dauerte längere Zeit.
Einmal war ſie wieder bei dem Oheime, und da ſie wegen der gro⸗ ßen Hitze, die in dem Saale herrſchte, auf den Balkon, deſſen Thüren immer offen ſtanden, hinaus getreten war, und dichte Nacht um ſie lag:
ging er gegen Brigitta hin, und


