Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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Murai. Sein Vater hatte ihn auf dem Lande auferzogen, um ihn für das Leben votzubereiten. Als ſeine Erziehung vollendet war, mußte er zuerſt Reiſen machen, und dann ſollte er die gewählte Geſellſchaft ſeines Vaterlandes kennen lernen. Dies war die Urſache, daß er in die Haupt⸗ ſtadt kam. Hier wurde er bald der faſt einzige Gegenſtand der Geſpräche. Einige rühmten ſeinen Verſtand, andere ſein Benehmen und ſeine Be⸗ ſcheidenheit, wieder andere ſagten, daß ſie nie etwas ſo ſchönes geſehen hätten, als dieſen Mann. Mehrere behaupteten, er ſei ein Genie, und wie es an Verläumdungen und Rachreden auch nicht fehlte, ſagten manche, daß er etwas Wildes und Scheues an ſich habe, und daß man es ihm anſehe, daß er in dem Walde auferzogen worden ſei. Einige meinten auch, er beſitze Stolz, und wenn es darauf ankomme, gewiß auch Falſchheit. Manches Mädchenherz war im Mindeſten doch neugie⸗ rig, ihn einmal erblicken zu können. Brigitta's Vater kannte die Familie des neuen Ankömmlings ſehr gut, er war in früheren Jahren, da er noch Ausflüge machte, öfter auf ihre Beſitzungen gekommen, und war nur ſpäter, da er immer in der Hauptſtadt lebte und ſie nie, mit ihr außer erührung gerathen. Da er ſich um den Stand der Güter, der einſt ein vortrefflicher geweſen war, erkundigte, und erfuhr, daß derſelbe jetzt noch bedeutend beſſer ſei, und bei der einfachen Lebensweiſe der Familie ſich noch immer verbeſſere: dachte er, wenn der Mann ſonſt auch noch in ſeinem Weſen nach ſeinem Sinne wäre, ſo könnte er einen erwünſchten Bräutigam für eine ſeiner Töchter abgeben. Da aber dasſelbe mehrere Väter und Mütter dachten, ſo beeilte ſich Brigitta's Vater, ihnen den Vorſprung abzugewinnen. Er lud den jungen Mann in ſein Haus, die⸗ ſer ſagte zu, und war ſchon mehrere Male in einer Abendgeſellſchaft des⸗ ſelben geweſen. Brigitta hatte ihn nicht geſehen, weil ſie gerade in jener Zeit ſchon ſeit länger her nicht in das Geſellſchaftszimmer gekommen war. Einmal ging ſie zu ihrem Oheime, der eine Art Feſt veranſtaltet und ſie dazu geladen hatte. Sie war auch ſchon in früheren Zeiten manchmal nicht ungern zu der Familie des Oheims gegangen. An jenem Abende ſaß ſie in ihrem gewöhnlichen ſchwarzſeidenen Kleide da. Um das Haupt hatte ſie einen Kopfputz, den ſie ſelber gemacht hatte, und den ihre Schweſtern häßlich nannten. Wenigſtens war es in der ganzen Stadt nicht Sitte, einen ſolchen zu tragen, aber er ſtand zu ihrer dunk⸗ len Farbe ſehr gut.