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lernte ſie nicht, aber ſie ritt gut und kühn, wie ein Mann, lag oft mit dem ſchönſten Kleide auf dem Raſen des Gartens, und that halbe Reden und Ausruſungen in das Laub der Büſche. Nun kam es auch, daß der Vater begann, ihr Ermahnungen über ihr ſtörriges und ſtummes Weſen zu geben. Dann, wenn ſie auch eben redete, hörte ſie plötzlich auf, wurde noch ſtummer und noch ſtörriger. Es half nichts, daß ihr die Mutter Zeichen gab, und zur Kundgebung ihres Unmuthes in bittrer Rathloſig⸗ keit die Hände rang. Das Mädchen redete nicht. Als ſich der Vater ein⸗ mal ſo weit vergaß, daß er ſie, die Erwachſene, weil ſie durchaus nicht in das Geſellſchaftszimmer gehen wollte, körperlich ſtrafte, ſah ſie ihn blos mit den heißen trockenen Augen an, und ging doch nicht hinüber, er hätte ihr thun können, was er wollte.
Wenn nur einer geweſen wäre, für die verhüllte Seele ein Auge zu haben, und ihre Schönheit zu ſehen, daß ſie ſich nicht verachte.— Aber es war keiner: die andern konnten es nicht, und ſie konnte es auch nicht.
Ihr Vater lebte in der Hauptſtadt, wie es überhaupt ſeine Gewohn⸗ heit war, und gab ſich einem glänzenden Wohlleben hin. Als ſeine Mäd⸗ chen herangewachſen waren, verbreitete ſich der Ruf ihrer Schönheit durch das Land, viele kamen herbei, ſie zu ſehen, und die Verſammlungen und Geſellſchaften in dem Hauſe wurden noch zahlreicher und belebter, als ſie es bisher geweſen waren. Manches Herz ſchlug heftig und trachtete nach dem Beſitze der Kleinode, welche dieſes Haus beherbergte— aber die Kleinode achteten nicht darauf, oder ſie waren noch zu jung, ſolche Huldigungen zu verſtehen. Deſto mehr gaben ſie ſich den Vergnügungen hin, die ſolche Geſellſchaften mit ſich führten, und ein Putzkleid oder die Anordnung eines Feſtes konnte ſie Tage lang auf das Ergreifendſte und Innigſte beſchäftigen. Brigitta, als die Jüngſte, wurde nicht gefragt, als verſtünde ſie die Sache nicht. Sie war manchmal in den Verſamm⸗ lungen gegenwärtig, und dann trug ſie immer ein weites, ſchwarzſeide⸗ nes Kleid, das ſie ſich ſelber zuſammen gemacht hatte— oder ſie mied dieſelben, ſaß indeſſen auf ihrem Zimmer, und man wußte nicht, was ſie dort that.
So gingen ein paar Jahre hin.
Gegen Ende derſelben erſchien ein Mann in der Hauptſtadt, der in den verſchiedenen Kreiſen derſelben Aufſehen erregte. Er hieß Stephan


