Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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drehte ſie oft die großen wilden Augen, wie Knaben thun, die innerlich bereits dunkle Thaten ſpielen. Auf die Schweſtern ſchlug ſie, wenn ſie ſich in ihre Spiele einmiſchen wollten und wenn jetzt die Mutter in einer Anwandlung verſpäteter Liebe und Barmherzigkeit das kleine Weſen in die Arme ſchloß, und mit Thränen benetzte, ſo zeigte dasſelbe keines⸗ wegs Freude, ſondern weinte, und wand ſich aus den umfaſſenden Hän⸗ den. Die Mutter aber wurde dadurch noch mehr zugleich liebend und er⸗ bittert, weil ſie nicht wußte, daß die kleinen Würzlein, als ſie einſt den warmen Boden der Mutterliebe ſuchten und nicht fanden, in den Fels des eigenen Herzens ſchlagen mußten, und da trotzen.

So ward die Wüſte immer größer.

Als die Kinder empor wuchſen und ſchöne Kleider in's Haus kamen, waren jene Brigitta's immer recht, die der Schweſtern wurden mannig⸗ fach geändert, bis ſie paßten. Die andern bekamen Verhaltungsregeln und Lob, ſie nicht einmal Tadel, wenn ſie auch ihr Kleidchen beſchmutzt oder zerdrückt hatte. Da das Lernen kam, und die Stunden des Vormit⸗ tags ausgefüllt waren, ſaß ſie unten an, und ftarrte mit dem einzigen Schönen, das ſie hatte, mit den in der That ſchönen düſtern Augen auf die Ecke des fernen Buches, oder der Landkarte; und wenn der Lehrer eine ſeltene raſche Frage an ſie that, erſchrak ſie, und wußte keine Ant⸗ wort. Aber an langen Abenden, oder ſonſt, wenn man im Geſellſchafts⸗ zimmer ſaß und ſie nicht vermißte, lag ſie auf der Erde über durcheinan⸗ der geworfenen Büchern oder über Bildern und zerriſſenen Karten, die die andern nicht mehr brauchten. Sie mochte eine fantaſtiſche verſtümmelte Welt in ihr Herz hinein brüten. Sie hatte von den Büchern ihres Va⸗ ters, da der Schlüſſel immer ſtak, beinahe die Hälfte geleſen, ohne daß man es ahnte. Darunter waren die meiſten, die ſie nicht verſtehen konnte. In der Wohnung fand man oft Papiere, auf denen ſeltſame wilde Dinge gezeichnet waren, die von ihr ſein mußten.

Als die Mädchen in das Jungfrauenalter getreten waren, ſtand ſie wie eine fremde Pflanze unter ihnen. Die Schweſtern waren weich und ſchön geworden, ſie blos ſchlank und ſtark. In ihrem Körper war faſt Manneskraft, was ſich dadurch erwies, daß ſie eine Schweſter, wenn ſie ihr Tändeleien ſagen oder ſie liebkoſen wollte, mit dem ſchlanken Arme blos ruhig weg bog, oder daß ſie, wie ſie gerne that, Hand an knechtliche Arbeit legte, bis ihr die Tropfen auf der Stirne ſtanden. Muſik machen