Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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ben erſt recht einleuchtend wurden, da ich älter war, und daran ging, die Erzählung ſeines Lebens zuſammen zu ſtellen. Wie weit es mit ſeinem ſagenhaften Glücke bei Weibern ging, habe ich nie erfahren können, da er niemals über dieſe Dinge ſprach, und ſich auch nie Gelegenheit zu Beobachtungen vorfand. Von jener Trauer, die auf ſeiner Stirne ſitzen ſollte, konnte ich ebenfalls nichts wahrnehmen, ſo wie ich auch von ſeinen früheren Schickſalen damals nichts erfuhr, als daß er einſt beſtändige Reiſen gemacht habe, jetzt aber ſchon Jahre lang in Reapel ſei, und Lava und Alterthümer ſammle. Daß er in Ungarn Beſitzungen habe, erzählte er mir ſelber, und lud mich, wie ich oben ſagte, wiederholt dahin ein.

Wir lebten ziemlich lange neben einander, und trennten uns zuletzt, da ich fort ging, nicht ohne Theilnahme. Aber mancherlei Geſtalten von Ländern und Menſchen drangen nachher noch durch mein Gedächtniß, ſo daß es mir endlich nicht im Traume beigekommen wäre, daß ich einmal auf einer ungariſchen Haide zu dieſem Manne unterwegs ſein würde, wie ich es nun wirklich war. Ich malte mir ſein Bild in Gedanken immer mehr aus, und ſenkte mich ſo hinein, daß ich oft Mühe hatte, nicht zu glauben, ich ſei in Italien; denn ſo heiß, ſo ſchweigſam war es auf der Ebene, auf der ich wandelte, wie dort, und die blaue Dunſtſchichte der Ferne ſpiegelte ſich mir zum Trugbilde der pomptiniſchen Sümpfe.

Ich ging aber doch nicht in gerader Richtung auf das mir in dem Briefe bezeichnete Gut des Majors los, ſondern ich machte mehrere Kreuz⸗ und Querzüge, um mir das Land zu beſehen. So wie mir das Bild des⸗ ſelben früher immer meines Freundes wegen mit Italien zuſammen ge⸗ floſſen war, ſo webte es ſich nun immer mehr und immer eigenthümlicher als Selbſtſtändiges und Ganzes heraus. Ich war über hundert Bäch⸗ lein, Bäche und Flüſſe gegangen, ich hatte oft bei Hirten und ihren zot⸗ tigen Hunden geſchlafen, ich hatte aus jenen einſamen Haidebrunnen ge⸗ trunken, die mit dem furchtbar hohem Stangenwinkel zum Himmel ſehen, und ich hatte unter manchem tief herabgehenden Rohrdache gegeſſen— dort lehnte der Sackpfeifer, dort flog der ſchnelle Fuhrmann über die Haide, dort glänzte der weiße Mantel des Roßhirten—— oft dachte ich mir, wie denn mein Freund in dieſem Lande ausſehen werde; denn ich hatte ihn nur in Geſellſchaft geſehen, und in dem Getriebe, wo ſich alle Menſchen, wie die Bachkieſel gleichen. Dort war er im Aeußern derglatte feine Mann geweſen— hier aber war alles anders, und oft, wenn ich