Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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er ſoll ſeinen Bruder erſchoſſen haben— und was dieſer Dinge mehr waren. Das aber wußten alle, daß er ſich jetzt ſehr ſtark mit Wiſſen⸗ ſchaften beſchäftigte.

Ich hatte ſchon ſehr viel von ihm gehört, und erkannte ihn augen⸗ blickich, als ich ihn einmal auf dem Veſuve Steine herab ſchlagen, und dann zu dem neuen Krater hinzu gehen, und freundlich auf das blaue Ringeln des Rauches ſchauen ſah, der noch ſparſam aus der Oeffnung und aus den Ritzen quoll. Ich ging über die gelb glänzenden Knollen zu ihm hin und redete ihn an. Er antwortete gerne, und ein Wort gab das andere. Wirklich war damals eine furchtbar zerworfene dunkle Dede um uns, die ſo ſchroffer wurde, als der unſäglich anmuthige tiefblaue Süd⸗ himmel gerade über ihr ſtand, zu dem die Rauchwölkchen traulich ſeit⸗ wärts zogen. Wir ſprachen damals lange mit einander, gingen dann aber jeder allein von dem Berge.

Später fand ſich wieder Gelegenheit, daß wir zuſammen kamen, wir beſuchten uns dann öfter, und waren endlich bis zu meiner Heimreiſe faſt unzertrennt bei einander. Ich ſand, daß er an den Wirkungen, die ſein Aeußeres machen ſollte, ziemlich unſchuldig war. Aus ſeinem Innern brach oft ſo etwas Urſprüngliches und Anfangsmäßiges, gleichſam als hätte er ſich, obwohl er ſchon gegen die fünfzig Jahre ging, ſeine Seele bis jetzt aufgehoben, weil ſie das Rechte nicht hatte finden können. Da⸗ bei erkannte ich, als ich länger mit ihm umging, daß dieſe Seele das Glühendſte und Dichteriſchſte ſei, was mir bis dahin vorgekommen iſt, daher es auch kommen mochte, daß ſie das Kindliche, Unbewußte, Einfache, Einſame, ja vft Einfältige an ſich hatte. Er war ſich dieſer Gaben nicht bewußt, und ſagte in Natürlichkeit die ſchönſten Worte, die ich je aus einem Munde gehört habe, und nie in meinem Leben, ſelbſt ſpäter nicht, als ich Gelegenheit hatte, mit Dichtern und Künſtlern um⸗ zugehen, habe ich einen ſo empfindlichen Schönheitsſinn angetroffen, der durch Ungeſtalt und Rohheit bis zur Ungeduld gereizt werden konnte, als an ihn. Dieſe unbewußten Gaben mochten es auch ſein, die ihm alle Herzen des andern Geſchlechtes zufliegen machten, weil dieſes Spielen und Glänzen an Männern in vorgerückten Jahren gat ſo ſelten iſt. Eben da⸗ her mochte es auch kommen, daß er mit mir als einem ganz jungen Men⸗ ſchen ſo gerne umging, ſo wie ich meinerſeits in jenen Zeiten eigentlich auch noch nicht recht dieſe Dinge zu würdigen vermochte, und mir dieſel⸗