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wöhnte ſich der Geiſt daran, das Auge begann zu erliegen, und von dem Nichts ſo überſättigt zu werden, als hätte es Maſſen von Stoff auf ſich geladen— es kehrte in ſich zurück, und wie die Sonnenſtrahlen ſpielten, die Gräſer glänzten, zogen verſchiedene einſame Gedanken durch die Seele, alte Erinnerungen kamen wimmelnd über die Haide, und darunter war auch das Bild des Mannes, zu dem ich eben auf der Wanderung war— ich griff es gerne auf, und in der Oede hatte ich Zeit genug, alle Züge, die ich von ihm erfahren hatte, in meinem Gedächtniſſe zuſammen zu ſuchen, und ihnen neue Friſche zu geben. In Unteritalien, beinahe in einer eben ſo feierlichen Oede, wie die war, durch die ich heute wandelte, hatte ich ihn zum erſten Male geſehen. Er war damals in allen Geſellſchaften gefeiert, und obwohl ſchon faſt fünfzig Jahre alt, doch noch das Ziel von manchen ſchönen Augen; denn nie hat man einen Mann geſehen, deſſen Bau und Antlitz ſchöner ge⸗ nannt werden konnte, noch einen, der dieſes Aeußere edler zu tragen ver⸗ ſtand. Ich möchte ſagen, es war eine ſanfte Hoheit, die um alle ſeine Bewegungen floß, ſo einfach und ſo ſiegend, daß er mehr als einmal auch Männer bethörte. Auf Frauenherzen aber, ging die Sage, ſoll er einſt wahrhaft ſinnverwirtend gewirkt haben. Man trug ſich mit Ge⸗ ſchichten von Siegen und Eroberungen, die er gemacht haben ſoll, und die wunderbar genug waren. Aber ein Fehler, ſagte man, hänge ihm an, der ihn erſt recht gefährlich mache; nämlich, es ſei noch Niemanden, ſelbſt der größten Schönheit, die dieſe Erde trage, gelungen, ihn länger zu feſſeln, als es ihm eben beliebte. Mit aller Lieblichkeit, die ihm jedes Herz gewann, und das der Erkornen mit ſiegreicher Wonne füllte, be⸗ nahm er ſich bis zu Ende, dann nahm er Abſchied, machte eine Reiſe, und kam nicht wieder.— Aber dieſer Fehler, ſtatt ſie abzuſchrecken, ge⸗ wann ihm die Weiber nur noch mehr, und manche raſche Südländerin mochte glühen, ihr Herz und ihr Glück, ſobald als nur immer möglich, an ſeine Bruſt zu werfen. Auch reizte es ſehr, daß man nicht wußte, woher er ſei, und welche Stellung er unter den Menſchen einnehme. Obwohl ſie ſagten, daß die Grazien um ſeinen Mund ſpielen, ſetzten ſie doch hinzu, daß auf ſeiner Stirne eine Art Trauer wohne, die der Zeiger einer bedeutenden Vergangenheit ſei— aber das war am Ende das Lockendſte, daß Niemand dieſe Vergangenheit wußte. Er ſoll in Staats⸗ begebenheiten verwickelt geweſen ſein, er ſoll ſich unglücklich vermählt,


