Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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wo ſein kriegeriſcher Hut lag, trat über die Thürſchwelle ein Kind, ein wundervoll blond gelocktes Mädchen herein, und rief mit kindlich klarer Stimme:„Mutter!“— Aber wie ſie dieſe in Aufregung ſah, und den frenden Mann vor ihr ſtehen, ſchwieg ſie betroffen. Cöleſte warf ſich, als wäre jetzt erſt der fürchterlichſte Schlag gefallen, plötzlich mit einem lauten und ausſchweifenden Schluchzen in die Kiſſen des Sophas, als müßte ihr das Herz zerſtoßen werden.— Hugo betrachtete das Kind einen Augenblick, dann ging er auf dasſelbe zu, und legte unter unend⸗ lichen Thränen, die aus ſeinen Augen floſſen, den Arm um den dichten, ſeidenweichen Lockenwald desſelben, beugte ſich, und küßte es heftig auf den Scheitel.

Das erſchreckte Kind hatte es gelitten— auf dem Sopha hatte das Weinen aufgehört, Cöleſte hatte das Haupt empor gehoben, und lauſchte hin; aber wie er den Arm von des Kindes Locken löſete, ſeinen Hut nahm, und ſanſt hinaus ging— da fiel ſie mit dem verzweiflungsvollen Schrei zurück:„Er kennt ſie nicht, er kennt ſie nicht.“

Hugo hatte kein Wort mehr geſagt, kein einziges; es iſt unbekannt, ob er nicht konnte, oder ob er nicht wollte. Unten ließ er ſich ſein Pferd vorführen, beſtieg es, und ritt zu dem Thore hinaus. Es war bereits ſchon dunkel geworden, und ein harter Novemberwind ging durch ſeine noch immer ſchönen blonden Locken, die ſein ganzes Schickſal eingeleitet hatten. Als er auf die Anhöhe gekommen war, von der aus man das Schloß erblickt, und hinter welcher die Haide anfängt, hielt er ein wenig ſtille— die Thränen, welche während der Beſteigung des Pferdes und während dem Anfange des Rittes verſiegt waren, floſſen wieder, und er ſagte gleichſam laut zu ſich:„Wo in dieſer weiten, in dieſer großen Welt mag das herrliche, das reine Herz ſchlagen, das mich beglückt hätte, und das ich beglücken hätte können!?“——

Aber draußen lagen die kaltblauen ſchweren Wolken, unter denen er die Landſchaft, namentlich den gehauchten blaſſen Streifen des Ardener⸗ waldes, den er im Herreiten geſehen hatte, nicht mehr erblicken konnte und neben ihm ſäuſelte das dürre herbſtliche Gras.

Mit den Worten:„Verzeihe dir Gott, du armer, verblendeter Greis, daß du in deiner Leidenſchaft zwei Menſchen unglücklich gemacht haſt, wie ich dir verzeihe, ſie erfahre nie, was du eingeleitet haſt,“ ſetzte er ſeinem Pferde die Sporen ein, und ritt langſam den ſanften Hang hin⸗