wieder dahier ſitzet, wie ſo oft; darum ſagt mir auch geradeweg, ob Ibr denn auch auf mich zürnet?“
„Nein, Obriſt,“ antwortete ich;„nein, ich weiß es ſchon, daß Ihr mir nichts gethan habt. Ihr ſeid ja ein freundlichet Mann gegen jedes Geſchöpf. Ihr habt allen Leuten im Walde herum wohl gethan, und wenn einer undankbar war, ſo ſeid Ihr hingegangen, und habt ihm eine
neue Güte erwieſen. Wie ſollte ich Euch zürnen? nein, eher muß ich Euch jetzt ſagen, was ich noch nie geſagt habe: Ihr ſeid der beſte und ſanfteſte Menſch, den ich auf der Welt kennen gelernt habe.“
„Bin ich das,“ erwiederte er,„ſo macht mir die Freude Doctor, und thut Euch kein Leid an.“
Mir rollten die Thränen hervor, und ich ſagte, daß ich es nun nicht mehr thun wolle.
„Ich bin vorgeſtern,“ ſagte er,„mit großer Angſt durch die Reut⸗ bühl gegangen; denn der Menſch vermag hierin nichts zu ändern und ich ließ Euch in Gottes Hand zurück. Als die Sonne untergegangen war, ſtand ich an dem Fenſter und betete— und da ſah ich Eure Geſtalt am Saume des Kornes nach Hauſe gehen, wie manches Mal an andern Ta⸗ gen, wenn Ihr mit einem Buche unter den Birken geweſen ſeid— und es kam eine recht ruhige fteundliche Nacht in mein Haus.— Seht, da ich damals von Euch fort gegangen war, bin ich im Reutbühl auch an unſere Föhrenpflanzung gekommen, die Ihr im vorigen Frühlinge mit mir angelegt habt, und habe geſehen, daß kaum ein einziges Pflänzchen ausgegangen iſt; manche ſind ſchon ſehr hoch und ballen mit ihren Wur⸗ zeln das Steingerölle.— Am andern Tage bin ich von der Stube in den Stall gegangen, von dem Stalle in den Garten, und von da wieder herein— und habe über die kleinen Felderhügel geſchaut, und über die Spitzen der Wälder, in denen Ihr vielleicht fahren werdet, oder ſonſt etwas thun. Da kam in der Nacht Euer Knecht, und brachte mir große Freude.— Ich hatte es ja nun in der Hand, ich kannte Euch, Ihr ſeid ſo oft zu mir gekommen, und ich wußte es ja, daß Ihr Euch herausrei⸗ ßen würdet.“
Ich konnte den Mann nicht anſchauen, und ſagte, weil ich ſchon ſo viel eingeſtanden hatte, daß ich ſo zerdrückt ſei, und die Tage her keinen Menſchen, nicht dem Knechte, nicht der Magd und keinem Taglöhner in die Augen ſehen könne.


