Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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unliebe Todtendämmerung um alle Dinge floß. Er ſchritt gegen die Fenſter, zog die Vorhänge empor, ließ ſie dann wieder nieder, und zog ſie doch endlich empor. Sodann nahm er mir die Handſchuhe und das Barett, legte beides auf ſein Bette, und ſtand dann da, und hatte die weißen Haare ſo genau und reinlich zurückgekämmt wie immer. Er hatte noch nichts geredet, ich auch nicht.

Endlich nahm er das Wort und ſagte:„Das iſt ein ſchöner Tag, Herr Doctor.“

„Ja, ein ſehr ſchöner,“ antwortete ich.

„Iſt die alte Sara ſchon beſſer, und was macht der Erlebauer?“

„Die Sara iſt ja ſchon ſeit drei Wochen nicht mehr krank, und der Erlebauer wird auch ſchon beſſer.“

„Das iſt gut; es wäre Schade um den Mann geweſen, er iſt ſehr thätig und hat fünf lebende Kinder.“

„Geſtern hat er die Kriſis überſtanden, und die nützliche Luft wird ihn bald heilen.“

„Habt Ihr noch viele Kranke?“

„Nicht ſehr viele.“

„Der Meilhauer hat ja auch einen Fuß gebrochen.“

„Freilich, weil er ſich nicht wahrt; eine Buche hat ihn geſtreift.“

„Im Thaugrunde war's?“

„Im Thaugrunde.“

„Ihr kommt ja jetzt öfter in den Haslung hinunter, iſt es wahr, daß ſie das Gehäng reuten?“

„Lauter Felder, ſeit ſie ſich los gekauft haben.“

„Und in den drübigen Hofmarken mähen ſie ſchon Heu?“

„Es iſt kein Halm mehr auf den Wieſen.“

„Das iſt ein geſegnetes, ſchönes Jahr. Wenn uns der Herr noch weiter hinaus behütet, und das Verheißene gut einbringen läßt, dann kann ſich mancher helfen.— Wollt Ihr Euch denn nicht ein wenig auf das Sitzbette niederlaſſen, Doctor?“

Nach dieſen Worten nöthigte er mich auf das Sitzbette, das er vor dem Tiſche hat, und ſetzte ſich zu mir. Nachdem er die Falten an dem Teppiche gleich geſtrichen, und die Broſamen herabgeſtteift hatte, ſagte er plötzlich:„Das iſt recht ſchön, Doctor, daß Ihr gekommen ſeid, und