Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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Glas Wein.— Ach Gott— der Keller war ſchon fertig, und ich wollte ein großes Haus darauf bauen— und ich weiß nun nicht, für wen ich es baue. Ein recht großes, ſchönes Haus wollte ich bauen, weil mich Gott ſo geſegnet hat, und weil mein Vater doch nur ein Kleinhäus⸗ ler geweſen iſt, mit einer Hütte und Steinen darauf, wie ſie noch über⸗ all auf den Waldhöhen herum ſtehen. Nur der Obriſt iſt gekommen und hat ein Haus mit ſteinernen Mauern gebaut, das nun das Vorbild weit hin gegen die Fichten leuchtet. Dann las ich noch bis Mitternacht in Hochheimbs Buche.

Am andern Morgen, da ich ſchon lange nicht mehr ſchlafen konnte, ſtand ich ſehr früh auf, und fuhr, als noch der Thau lag, durch den Wald an dem Bache hinunter, daß ich meine Kranken beſuche. Das Waſſer rollte kühl über ſeine Steine und an den Gräſern dahin. Es ging bald die Sonne auf, und brachte einen recht ſchönen, lieblichen Vor⸗ mittag. Dieſer trocknete die Näſſe von den Nadeln und von allen den vielen Kräutern, die nichts anderes zu thun hatten, als recht eilends in dieſer Frühlingswärme zu wachſen. Als ich wieder nach Hauſe gekom⸗ men, und die Pferde in den Stall gebracht waren, legte ich einen beſſeren Rock an, und begab mich auf den Weg zu dem Obriſt. Da ich um die Ecke des Holzes bog, und an den Gerſtenfeldern des Maierbacher ging, die er heuer ſo ſchön hat, ſah ich ſchon das Haus, wohin ich wollte, freundlich und weiß herabſchimmern— es ſchimmerte ſo lange, als ich an dem Abhange dahin ging, und wie ich den weichen Grashügel empor⸗ ſtieg, wo die vielen Eſchen ſtehen, kamen die zwei Wolfshunde herabge⸗

laufen, tanzten um mich und heulten fteudig, weil ſie mich ſchon ſo lange nicht geſehen hatten. Der Obriſt ſelber war in dem Garten, und ich ſah ihn durch die Stäbe der Umzäunung. Er hatte den grünen ſamm⸗ tenen Rock an, den er ſo liebt, und die goldene Kette um, von der glän⸗ zende Funken weggingen. Als wir die Barette abgethan hatten, ging er mir entgegen und verneigte ſich. Ich verneigte mich auch. Dann gelei⸗ tete er mich durch den Garten an den vielen grünen Büſchen hin, die er zieht, und führte mich in das Haus hinein. Wir kamen im Gange an der Thür vorüber, die in Margaritä's Zimmer führt. Die feine gelbe Rohrmatte lag auf der Schwelle.

Als wir in ſeiner Stube angelangt waren, ſah ich, daß er ſeine grünſeidene Vorhänge über die Fenſter herabgelaſſen hatte, wodurch eine