kel, das war nun klar, und was darinnen lag, war Wuſt. In der brau⸗ nen Stube ſtanden die alten Dinge in der Ordnung, wie ich ſie einſtens hingeſtellt hatte, oder eigentlich, ſie hingen kaum mehr an den Wänden herum. Das einzige Schreibgerüſte ſtand noch dicht und feſt mit allen ſeinen Zierrathengeländern und Fröſchen da, ein wahres Kunſtwerk in uralter Eichenſchnitzerei Die Mutter gab es mir auf meine Bitte gerne zum Hochzeitsgeſchenke. All das Andere aber waren gewöhnliche Trüm⸗ mer und Reſte; die Fugen klafften, das Licht ſchien durch ſie, der Holz⸗ wurm hatte die Balken angebohrt und der Staub rieſelte heimlich in ſeine Gänge. Als ich weiter durch das Haus wandelte, war hier eine Holztreppe weggenommen, dort eine andere aufgeſtellt— ein Geländer war hier herabgebrochen, dort eines befeſtiget worden— das Brunnen⸗ waſſer rann in eine neue Kufe, die Gartenbeete waren in einer anderen Richtung, verſchiedene Dinge ſtanden darauf, und der graue Baum war gar nicht mehr da— in der Holzlaube war manches anders, aber hinten ſtanden genau noch die alten Stangen und ſtaken die alten Strohbünde: aber ein ſchwermüthig klares Licht der Gegenwart lag auf allen Dingen, und ſie blickten mich an, als hätten ſie die Jahre meiner Kindheit ver⸗ geſſen.— So verging Woche um Woche in den neuen erſt wieder be⸗ kannt werdenden Räumen. Aber eines Tages, da eben ein grauer ſanſter Landregen die Berge und Wälder verhing, verſchaffte mir das Haus et⸗ was, das ich nicht ſuchte, und das mich ſehr freute, weil es mir gleichſam das ganze verſunkene aufgehobene Märchen darin gab.
Mütterlein, Gattin und Schweſter ſaßen im Hofſtübchen, und ver⸗ plauderten die Zeit, weil draußen Straße und Garten in Waſſer ſchwam⸗ men; ich, gleichſam aus einem alten Zuge der Kindheit, der gerne das ſanfte Pochen des Regens auf Schindeldächern hörte, war faſt bis auf den äußerſten Boden emporgeſtiegen und gerieth auch in den Gang zwi⸗ ſchen Schüttboden und Dach. Da ſtand noch die goldglänzende heilige Margaretha auf demſelben Platze, auf dem ſie vor ſo vielen Jahren ge⸗ ſtanden war. Eine Menge weggeworfener Sachen lag, wie einſt, um ſie herum. Jetzt fürchtete ich den düſteren Goldſchein nicht mehr, ſondern ich holte die Geſtalt hervor, um ſie zu betrachten. Es war ein ſehr altes gut vergoldetes hölzernes Standbild, halb lebensgroß, aber in dem Laufe der Zeiten war es bereits vielfach abgerieben und zerſchleift worden. Ich dachte mir, daß es etwa von einer eingegangenen Feldkapelle unſerer Be⸗


