die vorher gefeſſelt war, los, und manche Rufe, und das klingendſte Jauchzen des Gebirges flogen ihnen nach— es flog doppelt freudig, weil einer ihrer Herren eine aus ihrer Mitte gewählet. Auch aus mancher Waldhöhe längs dem Wege krachte ein Böller empor, der aus einem Holz⸗ ſtocke gebohrt war, oder es löſte ſich das Scheibengewehr, oder die Jagd⸗ büchſe manches luſtigen Fichtauers.
Auch⸗Anna ſchien von Ehrfurcht überkommen zu ſein; denn dieſel⸗ ben Augen, die ihn ſonſt, wie er noch mit Pflanzen und Steinen nach Hauſe gekommen, ſo freundlich angeblickt hatten, ſchlugen ſich auch wäh⸗ rend des Fahrens nicht ein einziges Mal zu ihm auf— ſondern ſie wein⸗ ten nun faſt unabläſſig fort.
Er redete ihr nicht zu, ſondern er dachte an Chelion, wie ſie kaum ſo rein, ſo ſchön, ſo ſchuldlos geweſen ſei, als wie die an ſeiner Seite, und er bezähmte ſein Herz, daß es nur nicht breche vor Freude und vor Glück.
Als die Trauung vorüber war und die Wagen wieder zurückkehrten, zeigte ſich ein Bild, das faſt rührend erſchien. Auf der Gaſſe der grünen Fichtau, wo hundert Wagen Platz gehabt hätten, ſtanden nun hundert Tiſche. Der neue Graf hatte keine große Familie, und keine hohen Ver⸗ bindungen. Seine Gäſte waren daher alle Fichtauer. Sie waren ſeine Unterthanen, alſo ſeine Verwandten. Dieſelben Holzſchläger, mit denen er ſich ſonſt an Samſtags⸗Abenden unterredet hatte, dieſelben Jäger, die gerne eingeſprochen, und alle Andern ſaßen herum und tranken heute den beſten Wein aus Erasmus Keller, und den noch beſſern aus den Fäſſern des uralten Ruprecht. Daneben ſaß der verſtändige heitere Schlag der Gebirgsbauern, und Heinrich mit Anna mitten unter ihnen. Den Ehren⸗ platz nahm Erasmus ein, und neben ihm Anna's und Heinrich's Mutter; man ſah ſeinen Stuhl aber häufig leer; denn nach alter Gewohnheit ging er unter den Gäſten herum, als müßte er ſie auch heute bedienen, und fragte und redete, und ordnete an. Sein großer Hund folgte ihm hiebei, und manchmal legte er ſein Haupt vertraplich auf Heinrich's Knie, und. ſchaute mit dummen Augen, zu ſeiner Herrin, Anna, hinauf. Neben den Brautleuten ſaßen Robert und Thrine und Heinrich's Schweſter. Der Boten⸗Simon konnte nicht da ſein, weil es ſein Amt nicht zuließ, aber geladen war er, und er erhielt als Entſchädigung einen Zinsnachlaß ſeines Grundſtückes im Aſang. Aber der Hirt Gregor war da, und ſein Sohn und ſein Hund durften heute die Heerde noch lange vor Sonnenunter⸗


