Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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gang nach Hauſe geleiten, damit ſie den Abend mit genießen könnten. Alle Nachbarsleute des Erasmus ſaßen zunächſt an ihm, und jeder Wan⸗

derer, der des Weges kam, war freundlich geladen. An den Grenzen der

Geſellſchaft, und hie und da ſelbſt zwiſchen den Tiſchen balgte ſich die Kna⸗

benſchaft der Fichtau, und hinter dem Garten gegen den Grahns zu krach⸗

ten ſchon die Vorübungsſchüſſe zu dem großen Scheibenſchießen, das auf morgen und die folgenden Tage angeordnet war. Und ſo entſtand vor

der grünen Fichtau ein Gebirgsfeſt, deſſen man denken wird, ſo lange ein

Berg ſteht.

Heinrich redete mit ſo Vielen, als er nur konnte; er ließ ſich von den Holzknechten noch einmal von ihren Arbeiten und Abenteuern erzählen. Er hörte den kühnen Fahrten der Jäger zu, und fragte manchen Bauer um die Lage ſeines Gutes, deſſen Bewirthſchaftung und Erträgniß. Und ehe noch von den Bergen das kleinſte Stückchen Schatten auf die Geſell⸗ ſchaft hereinfiel, hatte er ſchon alle Gemüther gewonnen, und Jeder, etwa die ganz Rohen und Mißgünſtigen ausgenommen, gönnte Anna von Herzen ihr Glück.

Ein Abend, wie wir ihn am Eingange dieſer Geſchichte erzählt haben, kam auch heute prachtvoll und herrlich:die Sonne war über die Waldwand hinunter, und warf kühle Schatten auf die Pernitz im Rücken der Häuſer glühten die Felſen, und wie flüſſiges Gold ſchwamm die Luft über all den grünen Waldhäuptern weg.

Und immer feierlicher floß die Abenddämmerung, immer abendlicher rauſchten die Waſſer der Pernitz, und immer reizender klangen die Zit⸗ tern.

Nur daß heute auch noch die Burſche mit den kühnen Gebirgsaugen die ſanftblickenden, aber gleichwohl feueraugigen Mädchen an manchen Stellen zu den Zittern im Tanze herumdrehten, und daß der Mond ſchon viel länger, als damals, auf die Häuſer hereinſchien, ehe es auf der Gaſſe der grünen Fichtau verſtummte.

Da aber endlich faſt gegen Morgen die letzte Gruppe Abſchied genom⸗ men hatte, und es ſtille war, folgte keine Scene im Garten, wie damals, ſondern Heinrich ſchlief ſchon lange auf ſeiner einſtigen Stube neben Robert, ſeinem Gaſte, und Anna war mit Thrinen in ihrem einſtigen Stübchen; aber ſie ſchliefen nicht, ſondern ſie konnten ſich nicht ſättigen von Plaudern und Erzählen.