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den Steinen oben in einem reinen dämmernden Stübchen, deſſen Fenſter marmorrothe Simſe hatten, und von ſchneeweißen Vorhängen verhüllt waren.
Im Lande aber draußen dauerte noch das Geſchrei fort über Hein⸗ rich und ſein Glück. Man neidete es ihm, und gönnte es ihm. Man ſagte, er eile jetzt, und könne keine Zeit abwarten, ſondern überwühle bereits den ganzen Berg, um ſeine Macht nur recht zu genießen. Man wählte ihm Heirathen aus den Familien des Landes, zankte darüber, und ſtellte Vermuthungen an, welche ihn nehmen, und welche ihn aus⸗ ſchlagen würde. Ja es wurde ſogar gemunkelt, er werde, ganz nach Art ſeiner Väter, niemand mehr, und niemand minder, als eben nur eine Wirthstochter heirathen.
Aber die Zeit ging fort und fort, und klärte nichts auf. Heinrich, gerade der Meinung entgegen, die man von ihm hatte, war ſchamhaft in
allem ſeinem Thun, und übereilte nichts, bis es war, wie er es wollte,
und wie es ſeinem Herzen wohl that— dann aber kam auch der Augen⸗ blick, der es Allen offen darlegen ſollte, wie es ſei. In der Kirche zu Priglitz war es Sonntags verkündet worden, nach der Art, wie es alle Pfarrkinder halten, Sohe und Geringe:„Der ehr⸗ und tugendſame Junggeſelle: Heinrich, unſer erlauchter Herr und Graf zu Rothen⸗ ſtein, und die ehr⸗ und tugendſame Jungfrau Anna, cheleibliche Toch⸗ ter Erasmus und Margaretha's, Beſitzerin der Wirthſchaſt Nr. 21, zur grünen Fichtau....“ Erasmus hatte an allen Gliedern gezittert und im Angeſichte geglänzt,— und draußen vor der Kirche prahlte er unver⸗ hohlen von ſeinem Kinde und deſſen Glücke, als ſich die Männer um ihn ſchaarten und ihn mit Fragen beſtürmten. Er erlebte die Freude, die er einſt im Uebermuthe vorausgeſagt, daß die ganze Fichtau die Hände zu⸗ ſammenſchlug über dieſes Ereigniß. Er allein von den Seinen war in die Kirche hinausgefahren, um es recht in ſeine Ohren hinein zu genie⸗ ßen, wenn es geleſen würde. Den Böten⸗Simon, der mit verwirrten Sinnen da ſtand, lud er zu ſich auf den Wagen, und ſagte beim Einſtei⸗ gen:„Gelt? Gelt?“
„Aber wir müſſen es in Demuth aufnehmen, Vater Erasmus, und ohne Hoffart genießen!“ ſagte der andere.
„Ich nehme es ja in Demuth auf,“ entgegnete Erasmus;„aber
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