Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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ben ehrbar ſtehen, und lüfteten die Mützen, als die Männer vorbeika⸗ men. Die Grundfeſten der alten Glashäuſer des Jodokus waren bei Wegräumungen wieder entdeckt worden, und man hatte darauf weiter gebaut. Da ſie zur Beſichtigung an den Platz gelangten, ſtanden ſchon die luftigen Gerüſte da, nur das Glas mangelte, und der Maueranwurf. Oben blickte der grüne Fichtenwipfel und die luſtigen Bänder. Nicht weit davon, im Parthenon, gingen die Schubkarren, um den Schutt und die Ziegel wegzuführen, und die gereinigten Säulen blickten wieder weiß und ruhig gegen die grüne Wiege ihres Thales. Im Chriſtophhauſe hing der Schieferdecker auf dem Dache, und pfiff ein Liedlein, indeß er Lücke nach Lücke verſtopfte und verſtrich. Die Leitern an der Vordermauer ließ man eben niederſinken, da die Mauer bereits nachgebeſſert und herausgeputzt war. Die Fenſter ſtanden nun ſpiegelnd daran; alle grünen Seidenvor⸗ hänge waren aufgezogen, und wo die Flügel offen ſtanden, wehte die Sommerluft freundlich und allgegenwärtig aus und ein. Der Werkmei⸗ ſter des Innern kam, als Heinrich und der Baumeiſter eintraten, ihnen aus dem hinterſten Zimmer entgegen, und zeigte, was er in der letzten Zeit gefördert. In manchen Zimmern wurde noch gehämmert und gena⸗ gelt, und die Geſellen mußten inne halten, während er mit den Herren ſprach; andere waren ſchon ganz fertig; der Werkmeiſter ſchloß ſie auf, indem er ſich vorher ſorgfältig die Schuhe abwiſchte, führte ſie hinein, und zeigte, wie Alles ſpiegele und ſchimmere, und nichts mehr fehle, als die koſtbaren Kleiderſtoffe, die auf den Tiſchen herum liegen, und die Diamanten, die in ihren geöffneten Fächern wie Lichttropfen blicken ſol⸗ len. Heinrich ging wieder heraus, und beſuchte noch den großen Saal, der verziert wurde. Den Berghang hinab gegen das große Thor zu ſcharrte die Schaufel, daß die Wege ausgebeſſert wurden, und klang die Axt, daß die dürren Stämme und Arſte niederfielen. Alles ſollte vorerſt ſchön ſein, und ſich ſittig erweiſen, wenn etwa in Bälde Augen kämen, es zu ſehen; das Nützliche und Nachhaltende war ſchon vielfach beſpro⸗ chen und entworfen, mußte aber ſeiner Zeit harren, daß es ſich allmälich und dauernd entwickle.

Indeſſen wurde auch in einem andern, viel kleineren Hauſe unten an der Pernitz gearbeitet, daß ganze Schneeberge von Linnen da lagen, und ſich überall Kleider und Stoffe bauſchten das andere, der Schmuck, der da glänzen und funkeln ſollte, lag ſchon als Kränzlein von leuchten⸗