Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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mir ſpielen, und ſah zu, wie ſie mein Herz und ihr Herz, meinen Unter⸗ richt und ihren Hinduglauben kindiſch durcheinandermiſchte, und in Be⸗ thörung lächelte.

Als ſie nach den Geſetzen unſtes Landes mein Weib geworden war, führte ich ſie auf meinen Berg. Ich hatte ſchon vor meiner Abreiſe ein Gebäude nach griechiſcher Art angefangen, und dieſes ſtand nun, als wir ankamen, bereits fertig da. Ich taufte esParthenon, und richtete es zu unſerer Wohnung ein. Es war ſehr ſchön, und ſein Inneres mußte von jeder Pracht und Herrlichkeit ſtrotzen, damit ich ihr ihr Vaterland vergeſſen machen könne. Auch einen Garten legte ich rund herum an, und hundert Hände mußten täglich arbeiten, daß er bald fertig würde. Ich zog ſchwarze Mauern und Terraſſen, um die Sonnenhitze zu ſam⸗ meln; ich warf Wälle auf, um den Winden zu wehren; ich baute ganze Gaſſen von gläſernen Häuſern, um darin Pflanzen zu hegen, dann ließ ich kommen, was ihr theuer und vertraut war: die ſchönſten Blumen ihres Vaterlandes, die weichſten Geſträuche, die lieblichſten Vögel und Thiere aber ach, den dunkelblauen Himmel und die weißen Häupter des Himalaia konnte ich nicht kommen laſſen, und der Glanz meiner Wohnung war nicht der Glanz ihrer indiſchen Sonne.

So lebte ſie nun fort. Sie kein Fleiſch; an mir duldete ſie bloß, daß ich es thue, und mich mit dem Blute der armen Thiere beflecke. Aber höher hätte ſie mich gewiß geachtet, wenn ich es ebenfalls vermocht hätte, nur ihre Pflanzengerichte, ihre Früchte und ihr Obſt zu genießen. Oft in jenen Tagen, die in den erſten Jahren ſo gleichförmig dahin floſſen oft, wenn ihr Mund an meinem hing, wenn ihre weichen klei⸗ nen Arme mich umſchlangen, und wenn ich in ihr großes fremdes Auge blickte, und darinnen ein langſam Schmachten ſah ſie wußte ſelbſt nicht, an welcher tiefen, ſchweren Krankheit ich leide oft ſagte mir eine Stimme ganz deutlich in das Ohr:Gehe wieder mit ihr nach Indien, ſie ſtirbt vor Heimweh; aber mein hartes Herz war in ſeinem Europa befangen, und ahnete nicht, daß es anders ſein ſollte, daß ich der Stärkere hätte opfern ſollen und können, was ſie die Schwächere wirklich opferte, aber nicht konnte. Ich hörte die Stimme nicht, bis es zu ſpät war, und eine That geſchah, die Alles, Alles endete. Siehſt du, damals rollte auch der Wagen des Geſchickes, nur daß er über zarte Glie⸗ der ging, und ſie zerquetſchte.