Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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kannten Berghäupter immer finſterer und immer größer an dem Wagen vorbei, und die Freunde kamen erſt an der Häuſergruppe an, da wieder der Mond, aber nun ein abnehmender, über derſelben ſtand, und den fahlgrauen Schimmer auf die Dächer legte, da der Staubbach wieder Diamanten warf, und die Gräſer Perlen hielten. Auch in der Pernitz rührte ſich das zerfloſſene Silber, und auf dem Waldlaube ſtand der ruhige feſte Glanz; aber alle Fenſter des ganzen Hauſes waren ſchwarz, die Ruhe der Bewohner zeigend. Zwei davon, die allein in einem matten Glimmer des Mondes ſchillerten, deckten das Gemach, in welchem der ſchlummernde Athem Anna's ging. Heinrich ſtieg ab, und pochte leiſe mit dem hölzernen Hammer an das Thor, Robert aber ließ ſeinen Wa⸗ gen umwenden, um noch in der Nacht ſeine Heimath zu gewinnen und die harrende Thrine zu beruhigen.

Der Wagen war an der Steinwand des Julius verſchwunden; auch vernahm man ſein fernes Rollen nicht mehr. Der Knecht der grünen Fichtau, der das leiſe Pochen gehört, und auf Befragen die Stimme Heinrich's erkannt hatte, hatte ihn eingelaſſen,— und ſo war wieder Alles, was der heutige Tag geſehen, die luſtigen Sonntagsgäſte der grü⸗ nen Fichtau, der närriſche Erasmus, die zwei Wanderer, die Bewohner jenes Berges, und das in ſeiner Liebe befangene Herz, in denſelben wei⸗ ten, lichtdämmernden, ſchlummerbringenden Mantel der Nacht gehüllt, und ſeinen Träumen überliefert.

Wir aber laſſen ſie ſchlummern und träumen, und ſchwingen uns indeſſen in die glänzende Luft hinauf, um aus ihr auf das ganze Bau⸗ werk der Gebirge niederzuſchauen. Todt liegt es unten weit hinaus, und zeigt die ſchwarzen Spitzen gegen den Glanz hinauf, an denen ſich nicht ein einziges Atom rührt, nur daß an den Wänden glitzernde Fäden nie⸗ derrinnen, und auf den naſſen Bergen hie und da ein blitzender Mond⸗ funke harrt. Der Orion iſt ſchon tief geneigt, und löſcht bereits ſeine erſten Sterne an dem ſchwarzen Gebirgsrande aus— ein anderer Stern, ehe er völlig untergeht, blitzt noch ſo lebhaft, als ſollte man in der Stille ſein Kniſtern hören können— der halbe Mond aber ſteht noch hoch am Himmel, und übergießt ihn mit dem Flore ſeines milchigen Lichtes, jedes Sternlein in ſeiner Nähe vertilgend. Alles, was unſer Blick überſchauen kann, von der Kette angefangen die unter dem blitzenden Sterne ihren Schattenriß gegen den Himmel legt, über alle Höhen und Hügel herüber, Stifter. 4. Aufl. I. 21