Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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auf denen jetzt die mattfärbigen Felſen ragen, oder die feuchten Wälder ſtehen, Alles dieſes bis zu den ſchweigenden Zacken draußen, die die letz⸗ ten das Licht des Mondes auffangen,— Alles, was wir ſo überſehen, ſteht unter den Fittigen jenes Schloſſes, das wir heute mit den zwei Freunden beſucht haben, und alle Weſen, die jetzt da unten ſchlummern und träumen, erwarten von ihm ihr Wohl oder Wehe. Wir aber wün⸗ ſchen von Herzen, daß ſie ſämmtlich unter die Obhut des ſanften freund⸗ lichen Mannes gelangen mögen, der heute in jenem Mauerwerke geweſen, und ſchon ſo lange mit Bewunderung zwiſchen dieſen grünen Bergen herumgegangen iſt. Er iſt einfach und milde, und wird eine leichte und hülfreiche Hand über ihre Häupter ſtrecken. Wir aber verlaſſen nun auch unſere Höhe und laſſen den Reſt der Nacht ungeſehen und unempfunden über die ſtummen Berge hinweggehen, bis ihr letzter Silberſchein weit draußen im Weſten erblaſſet, und die goldene Flamme des Morgens über ihre Häupter hereinſchlägt, alle Stimmen, die jetzt ſchweigen, zu neuen Freudenrufen erweckend, und alle Leben, die jetzt todt ſind, zu neuem Wo⸗ gen und Wallen geleitend.

Als nun dieſer Morgen angebrochen war, finden wir Heinrich in ſeinem Zimmer bereits aufgeſtanden und angezogen.— Er beſchäftigte ſich, indeſſen draußen die feurigen Goldſtröme um alle Hütten ſpielten, damit, daß er Pflanzen und Mineralien in flache Kiſten packte, und wie eine fertig war, den Deckel anſchraubte, und ihn mit einer Aufſchrift verſah. So that er faſt den ganzen Tag. Und wie oft er indeſſen an das Fenſter gegangen, ja ſelbſt den Garten durchſtreift hatte, ſo hatte er doch Anna nicht zu ſehen bekommen; es war faſt, als wiche ihm das Mädchen aus. Nur gegen Abend, als man ihn über den Steg und dann die Grahnswieſe emporgehen ſah, lauſchte ihr Angeſicht zwiſchen den weißen Vorhängen ihres Fenſters heraus, und ſah ihm nach, ſo lange er zu erblicken war. In der Dämmerung kam er wieder zurück, und der große Wirthshund ging mit ihm, weil er ihn oben am Hage gefunden hatte, und ihm überhaupt ſehr zugethan war. Die Thiere kennen gute Menſchen, und geſellen ſich zu denen, die ihn wohlwollen.

So verging auch der andere Tag und der nächſte wieder. Mitt⸗ wochs aber, da er eben über ſeine Gaſſenſtiege herabgegangen war, um ſpäter ſein Mittagsmahl zu nehmen, lief Anna hochroth aus dem Gaſ⸗ ſengärtchen herbei, und ſagte zu ihm:„Seit Morgen liegt ſchon ein