Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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hatten, nahm noch ihre Aufmerkſamkeit in Anſpruch— es war das lette, nahe an dem großen Thore gegen die Vorderſeite des Baues gele⸗ gen, aus dem ſie nun hinaustreten ſollten. Das Gemach war der im Sechseck gebaute Mauerſaal, in welchem die Bilder zum grünen Saale verfertigt zu werden pflegten. Und auf eine ſchaurige Weiſe legte er jetzt den ſpäten Beſuchern dieſe ſeine einſtige Beſtimmung vor Augen; denn Alles lag und ſtand noch ſo, als wäre der Künſtler vor einem Augenblicke hinweggegangen: aber ausgedorrte Farben, Staub und Spinneweben zeigten, daß hier jahrelang keine menſchliche Hand thätig geweſen ſei.

Dennoch waren noch alle Fenſtervorhänge niedergelaſſen, bis auf einen, um das Licht auf die Leinwand zu ſammeln. Eine lebensgroße Gliederpuppe ſaß da, und ſchwere, ſchön geordnete grünſeidne Drapperie hing an ihr nieder, um auf das Bild gemalt zu werden; aber die ſcharfen Seidenfalten derſelben lagen voll dichten alten Staubes, und der Glanz des Stoffes war erblindet. Der rothe Sammtſeſſel, auf dem die ſaßen, die abge⸗ bildet werden ſollten, ſtand leer; aber daneben auf der Staffelei war auch das unvollendete Bild von der, die zuletzt auf dem Stuhle geſe ſ⸗ ſen. Um das Bild war ſchon im Voraus ein breiter Rahmen von künſt⸗ lichem Serpentine gemalt, um die Wirkung auf den künftigen Platz be⸗ rechnen zu können; aber es kam nie auf dieſen künftigen Platz.— Das Haupt war zwar vollendet, die Figur und der Grund aber bloß umriſſen und untermalt, und die Hände waren weiße, verwiſchte Flecken. Heinrich jagte mit ſeinem Tuche den größten Theil des Staubes von dem Bilde, und getrübt durch den noch gebliebenen, ſah ein ſchönes ſchlankes Weib, wie eine Narciſſe, demüthig und ſelig aus der Fülle der ſchönſten blon⸗ den Locken heraus.

„Geht vorüber, geht nur eilends vorüber,“ ſagte angſtvoll dringend

der Greis,„ich bitt Euch inſtändig, geht vorüber— es iſt nur mein ar⸗ mes Kind— was ſoll ich denn hier ſtehen bleiben?— ich habe ja ohne⸗

dieß ſchon um ſie geweint.—— Sie ſollte in den grünen Saal kom⸗ men, aber er wurde in dem Lande der Heiden erſchlagen— der Maler ging fort— ſie ſtarb.—— Seht, der Conterfeier iſt hinterliſtig wieder

erſchienen, und wollte das Bild und die Sachen fortnehmen, aber ich ſagte zu ihm, daß ich ihn erſtechen werde, wenn er es thäte— da ging er, und kam nimmermehr wieder. Ich bitte laßt ſtehen und gehen —— Alles iſt nicht zu Ende; Alles iſt falſch, ihre Ehre und ihre Er⸗