Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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„Bin ich auch nicht Sixtus,“ antwortete Heinrich,„ſo bin ich doch einer von Dieſen da—— ich bitte Dich, frage jetzt nicht, mir iſt Alles ſonnenklar, nur zittert jeder Nerv in mir. Ich werde Dir Alles— Alles enthüllen, frage nur jetzt nicht.“

Und der ungeheuren Aufregung, in der er war, ging er gegen Rup⸗ recht, und, als glaube er es ſelber, ſagte er zu ihm:„Sei geprieſen, alter Mann für das, was Du gethan haſt— ich danke Dir dafür, ich danke Dir, und ich werde redlich ſorgen für alle Deine künftigen Tage.“

Dem Greiſe war in ſeiner Schwäche ein kindiſches Weinen über dieſen Dank angekommen, aber es äußerte ſich nur darin, daß ein Zucken und allerlei Bewegungen und Regungen emſig durch die Falten des verfal⸗ lenen Angeſichtes liefen. Er beugte ſich mehrmal, und beugte ſich tief, und vornehm, wie ein belohnter Diener— es wäre lächerlich geweſen, wäre es nicht ſchauerlich erſchienen.„Ich that nur meine Schuldigkeit,“ ſagte er,„ich that nur meine Schuldigkeit!“ Dann ging er mit allen Zeichen der Beftiedigung, und mit einer gewiſſen Würde in ſeiner Geſtalt gegen das Bild und ſagte:„Zum letzten Male wollen wir es ſchließen, Er⸗ laucht, daß es nach Kurzem offen ſtrahle vor den Augen aller Menſchen, und auf ewige Zeiten. O, ich habe Euch gleich gekannt,“ fügte er zufrieden lächelnd hinzu,„da Ihr heute Einlaß verlangtet!“— Mit dieſen letzten faſt heimlich geſagten Worten drehte er den Kupferdeckel wieder herum, und fügte ihn ein, ſo daß keine Spur blieb, wo er ſich früher geöffnet.

„So, jetzt iſt Alles geſchehen, und geſehen,“ ſagte er, und trat zu⸗ rück. Wirklich waren nun alle folgenden Riſchen in langer Reihe leer, und die Freunde wanderten noch den Reſt entlang, dem Thore zu, das ſie in die andern Gemächer des Baues führte.

Daß ſie dem, was nun folgte, wenig Aufmerkſamkeit ſchenkten, be⸗ greift ſich. Sie gingen noch durch mehrere Abtheilungen des Sixtus⸗ baues. An den grünen Saal ſtieß ein rother, gefüllt mit den tauſenderlei Arbeiten der Frauen des Rothenſteines, namentlich mit einer Unzahl Spielereien der Nonnen. Sonſt möchte es nicht ohne Annehmlichkeit ſein, dieſe Zeugen einer vergangenen Abgeſchiedenheit zu betrachten, wie ſie für den einen ein Glück, für den Andern eine Trauer war,— aber die zwei Männer eilten vorüber, um nur ſo ſchnell als möglich Raum und Luft zu gewinnen und ihre Herzen gegenſeitig ausſchütten zu kön⸗ nen. Nur ein Gemach, als ſie all die Räume und Zimmer durchwandelt