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Knieen bitt' ich Euch, wahret Euch vor Verſuchung; denn die Hölle hängt nur an einem Haare—— Alles iſt gut abgegangen;— er hat ſie lieb gehabt, fort und fort, wie der Adler ſein Junges, aber da war ſie weiß, ehe ſie geſtorben iſt, ſo weiß war ſie, wie die Lilien, die unten im Sumpfe wachſen, und die Häupter auf das ſchwarze Waſſer legen —— und mich hat er oft angeſchaut mit den glänzenden Augen— und da er ſchon den langen, weißen Bart hatte, hat er mich angeſchaut mit den ſchwarzen Augen, wie Nachts die Eule blicket;— aber ich habe die Zähne meines Mundes zuſammengeſchloſſen wie Eiſen, und kein Wort durch ſie herausgelaſſen,— und dann hat er mich auch wieder lieb ge⸗ habt, und da er unten am Häuschen ſaß, und die Sonne ſchien, da hat er meine Hand genommen, und ſie geſtreichelt, und geſagt:„lieber Rup⸗ recht, lieber Ruprecht!“ denn ſeht“— hiebei neigte ſich der Greis gegen Heinrich's Ohr, und flüſterte mit bedeutſamen Lächeln—„er war ſeine letzten Tage blöde und wahnſinnig.“
Die zwei Männer ſchauderte es in's tiefſte Mark der Seele und Heinrich trat einige Schritte weg, aber der wahnwitzige Kaſtellan folgte ihm ſachte mit glänzenden Augen:„Er hätte Euch über den Stein hin⸗ abgeſtürzt— Ihr ſeid aber auch viel ſchöner, als er es je geweſen— ich habe ihn recht gut geſehen, wie er bei Prokopus Thurme ſtand, es war Nacht, und ſein ſchwarzer Mantel war ſo finſter, wie die Wolken, die draußen wehten und Blitze zogen— der Seidenmantel kniſterte— und es war eine ſo heiße Nacht, wißt Ihr? und ſie dauerte ſo lange, als wie ſonſt drei, aber endlich wurde es Morgen und klar, Ihr waret fort—— es iſt ſehr gut, daß Ihr fort waret—— und es kamen ſo ſchwere, ſo ſchwere Zeiten— ich habe Euch geſagt, daß ſie wie eine Lilie weiß war, und noch kleiner, als ſonſt immer, und alle ſind geſtorben, die arme Chelion ſtarb, mein Weib Bertha ſtarb, Ihr ſtarbet, und wie er das Schloß angezündet hatte, und unten im Häuschen auch todt lag, lange geſtreckt, den weißen Bart, wie ein zerfetztes Banner haltend, da kam ihr Sohn, der arme Chriſtoph— ſeht Ihr ihn daneben— aber er iſt auch todt, und Narciſſa— und Alle ſind ſie todt——...“
Unwillkührlich ſahen die Freunde auf das Nebenbild der Chelion, und wirklich ſtand ein junger Mann darauf, ihr vollendetes Abbild— wie ſie, ſo ſeltſam und ſchön, aber mit trüben, ſchwermuthsvollen Blicken. Dieſer war alſo der letzte Beſitzer des Berges geweſen.


