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„Ja, die Sonne iſt heiß,“ erwiederte Ruprecht,„ſie iſt heiß, ich habe es vergeſſen— und eine Pelzhaube iſt gegen ſie ſo gut, wie gegen den Winter.“
Und wirklich ſahen die Freunde, daß ſein Barett, das er bisher immer in den Händen gehalten hatte, trotz des heißen Sommertages eine Pelzhaube war.
„Nun wie lange,“ ſagte Robert wieder,„iſt dieß Haus da her⸗ renlos?“
„Nach der großen Krankheit,“ fuhr der Greis fort,„die draußen im Lande war—— nein, es war ja vor der Krankheit, und Narciſſa ſtarb an ihr, weil ſie ſich ſo kränkte; aber eigentlich hieß ſie gar nicht Nar⸗ ciſſa, ſondern Tiburtia, aber weil ſie ſo hoch gewachſen war, weil ſie ſo zart und ſchön war, und weil ſie den Kopf ſtets ein klein wenig geſenkt trug, ſo hat er ſie immer Rarciſſa genannt—— Der Herr vergebe ihm, er war ſehr ſtürmiſchen Gemüthes, aber er war auch wieder ſo fromm, wie ein Kind; denn ich ſelber habe ihn einmal weinen geſehen, daß man meinte, das Herz werde ihm aus dem Leibe ſpringen— und dann ließ er die grünen Vorhänge nieder, ſiegelte alle Thore zu, und ritt davon; denn ſeht, er war auch trotzig, wie Graf Julius, der ebenfalls fortging, und nicht wieder gekommen iſt. Er hatte die Tage vorher das Drehthor machen, und das große daneben zumauern laſſen— und alle Diener und Jäger, und die Hunde und die Pſerde— Alles flog desſelben Tages da⸗ von, und ſagte:„Hüte das Werk, wie den Stern Deiner Augen, und halte die Brut ferne, bis ich komme, und ſie als mein Weib erkenne.“ Dann habe ich das Werk gehütet, daß nur die Vögel des Himmels herein zu fliegen vermochten. Eine Stille war Euch, Graf Sixtus, eine Stille im Sonnen⸗ und Mondenſcheine— und immer fort ſtill, nur daß die Todtengeige des Prokopus, die er wieder hatte aufziehen laſſen, zuweilen Nachts oder Tags tönte oder läutete. Dann waren fünf, ſechs, acht Jahre, bis die vielen Herren mit dem Pergamente kamen, Alles unter⸗ ſuchten und zuſiegelten— dieſer Syndikus, der mit Euch iſt, war auch dabei— und ſie erzählten, daß man ihn in der heidniſchen Stadt ſo ſchön begraben habe. Die Narciſſa liegt in der Schloßkapelle; der De⸗ chant war ſelbſt herübergekommen, und hatte geſagt:„Ich will ſie ge⸗ ſegnen.“ Sie konnte nicht mehr warten, weil ihr das Herz ſtehen geblie⸗ ben war.“


