Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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klare Vergangenheit, auf der ſie ſtanden. Von der Häuſergruppe der grü⸗ nen Fichtau war nichts erſichtlich, nur der Felſengipfel des Grahns blickte röthlich blau und ſchwach durch die dicke Luft herüber, und Heinrich's Auge haftete gerne und mit Rührung auf ihm, als einem Denkzeichen des lieben ſanften Herzens, das an ſeinem Fuße ſchlägt, und vielleicht in dieſer Minute an den fernen theuern Freund denkt.

Die Männer ſprachen nur wenige Worte, indem ſie ihr Vergnügen ausdrückten, und ſich die verſchiedenen Berggeſtalten zeigten und erklär⸗ ten, während der Alte noch immer ſtumm und unbeweglich hinter ihnen ſtand— nur die auf dieſer Höhe ziehende Mittagsluft regte die dünne, graue Locke ſeiner Schläfe; denn er hatte ſein Barret von Beiden unbe⸗ merkt, noch immer in den Händen.

Sie hätten wohl zu andern Zeiten länger das heitere Bild zu ihren Füßen betrachtet, aber heute zog ſie ihre nächſte Umgebung unmittelbar an. Heinrich ſchlug vor, gleich die neuen Gebäude aufſchließen zu laſ⸗ ſen, da ſie einmal in der Nähe ſeien, aber Robert zeigte ihm, daß dieß unmöglich ſei; denn Graf Chriſtoph hatte, da er in den aftikaniſchen Krieg geritten, vorher alle Thore verſiegelt, mit dem Befehle, daß vor ſeiner Zurückkunft nichts berührt werden dürfe, im Falle ſeines Todes aber der neue Beſitzer erſt am Tage ſeines Antrittes die Gebäude öffnen möge. Da hingen nun hinter allen den großen Spiegelfenſtern des Hau⸗ ſes ruhig und ſchwer die grünſeidnen Vorhänge nieder, und regten keine Falte hinter dem glatten glänzenden Glaſe. An Thüren und Thoren waren die Siegel, ebenfalls grün, ſehr groß, und mit dem Scharnaſt'⸗ ſchen Wappen verſehen. Von dem Dache hatte der Wind den einen und andern Ziegel heraus genommen, worauf bald mehrere oder wenigere Nachbarn folgten, ſo daß an manchen Stellen die nackten Sparren und Latten ungaſtlich und lächerlich in die Luft hinausſtarrten. Der alte Mann ſah das Alles mit ruhigen und heitern Blicken an, als wäre es in der ſchönſten Ordnung. Der Kiesplatz vor dem großen Thore war von altem Regen zerwaſchen, keine Spur von Rädern oder Hufen, und überall zwiſchen den Quarzkörnern ſproßte zartes Gras hervor.

„Und wie lange iſt Dein letzter Herr ſchon weg?“ fragte Robert.

„Nach der großen Krankheit———“ begann langſam, ſchüchtern und mißtrauiſch der alte Mann, indem er ſich näherte—— aber Robert unterbrach ihn und ſagte:„So ſetze doch Dein Barett auf.“