Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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Gegitter da ſtand. Hinten auf einer breiten glatten Wieſe lag der ſoge⸗ nannte Sixtusbau: breit, bleifarben, maſſiv, ohne die geringſte Verzie⸗ rung, mit noch vollſtändig erhaltenem grünem Kupferdache. Die Fenſter, ohne Simſe und flach, ſtanden ſo glatt in der Quadermauer, wie Glim⸗ mertafeln, die im Granite kleben. Die neueſten Gebäude auf der aus⸗ laufenden Bergzunge waren die Wohnung Graf Chriſtoph's, des letzten Beſitzers, geweſen. Lange Teraſſen und Gartenbauten ttennten ſie von den oben genannten, und ein Gartenhaus, allerlei Ruheſitze und Luſt⸗ häuschen umgaben es, mit und ohne Geſchmack erbaut, und bereits wie⸗ der im Verfalle begriffen. Von hier aus ſah man auch deutlich die Ruine um den Eichenbeſtand herüber blicken, einen Bau voll Balkonen, Giebel und Erker, aber gräßlich zerfallen— es war das Haus des alten Julian geweſen. Ein Gedränge uralter rieſenarmiger Eichen ſchritt von dem Neubau gegen die Ruine hinüber, und man ſah zwiſchen den Stämmen Damhirſche wandeln und graſen.

„Das iſt ja ganz herrlich und närriſch,“ rief Heinrich,„wer hätte gedacht, daß eine ſolche Menge von Gebäuden auf dieſem Berge Platz haben ſollte, und daß noch die ſchönſte Landſchaftsdichtung zwiſchen ihnen und um ſie liege. Mir iſt es, wie in einem uralten Märchen, alles ſo wunderlich, als läge die Fichtau gar nicht unten, in der ich doch ge⸗ ſtern noch war. Komm, laß uns auf die äußerſte Spitze dieſer Zunge vorgehen, dort muß die ſchönſte Umſicht ſein, und ehe wir in all das Mauerwerk kriechen, wollen wir hinunterſehen auf das Land, ob es denn auch wirklich noch iſt, wie geſtern.“

Und ſie gingen vorwärts auf der Zunge, deren Spitze zugleich der höchſte Punkt des Berges war. Hier ſtürzt die Wand ſchwindelſteil ab, und man ſieht über die Ringmauer wohl hundert Klafter ſenkrecht nieder. Auch auf dieſer äußerſten Spitze war ein Bauwerk, aber nur ein länglich rundes Dach von Säulen getragen, zwiſchen welche man im Winter Glasfenſter ſchieben kann. Im Innern ſind an den Säulen herumlau⸗ fende Sitze, von dem rothen Landesmarmor gehauen.

Wohl war das Land noch, wie geſtern: grün und weich und ruhig lag die ganze Fichtau in der Sommervormittagsluft unten, ein ſanftes Hinausſchwellen von Hügeln und Bergen, bis wo der blaue Hauch der Ferne weht, und mitten drinnen der glänzende Faden der Pernitz— alles bekannt und vertraut, eine holde Gegenwart, herumliegend um die un⸗