Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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Vergeblich rief Robert:„He, Holla! ich bin es, der Syndikus, den Du einzulaſſen verſprochen.“ Es erfolgte keine Antwort. Nur ſah Hein⸗ rich, da er zufällig emporblickte, am Mauerrande ein Haupt: Geſicht und Haare ſo grau, wie daneben die uralte Steinmetzarbeit, und die Augen ſtarr auf die beiden Männer geheftet. Nach einer Weile verſchwand es, und kurz darauf hörte man ein ſeltſames Aechzen und Knarren in der Mauer, und zum Erſtaunen des Wanderers ſchob ſich ein Stück derſelben gleichſam in einander, und es wurde die dunkle Mündung eines Pfört⸗ chens ſichtbar, darinnen, wie in einem Rahmen eine große Geſtalt ſtand, dieſelben ſteingrauen Geſichtszüge tragend, die Heinrich auf der Mauer geſehen hatte, nur ein Lächeln war jetzt auf ihnen, ſo ſeltſam, wie wenn im Spätherbſte ein einſamer Lichtſtrahl über Felſen gleitet.—„Geht nur gleich in den grünen Saal,“ ſagte die Geſtalt.

„Sei gegrüßt, Ruprecht,“ ſagte Robert,„zeig' uns den grünen Saal, und alles Andere auch, wenn es Dir genehm iſt.“

Ohne alle Antwort wich der Mann zurück. Sie traten ein, und in demſelben Augenblicke ging ein fürchterlicher, ein zärtlich gewaltiger Ton über ihren Häuptern durch die Luft.

„Es iſt nur die Geige des Prokopus,“ ſagte der alte Mann,„ſchrei⸗ tet herein, Erlaucht, in die Stadt des alten Geſchlechtes.“

Bei dieſen Worten vetbeugte er ſich gegen Stellen, wo Riemand ſtand—; und dann richtete er den Mechanismus der Mauer. Es hob wie eine ablaufende Thurmuhr zu ſchnarren an, ſchwenkte herum, und ſchloß ſich, ſo daß der Ort kaum zu erkennen war, durch den ſie herein⸗ gekommen.

Die Freunde ſtanden aber nun innerhalb der Mauer nicht etwa auf einem Schloßplatze oder dergleichen, ſondern wieder im Freien, und vor ihnen ſtieg der Berg ſachte weiter hinan, nur war ſeiner Senkung ein breites, weites räthſelhaftes Vieleck abgewonnen, auf dem ſie ſich eben befanden; es war mit Quaderſteinen gepflaſtert, aber aus den Fugen trieb üppiges Gras hervor, und die heiße Sommerſonne ſchien darauf nieder. Mitten auf dem Platze lagen zwei ſchwarze Sphinxe, mit den un⸗ geheuren ſteinernen Augenkugeln glotzend, und zwiſchen ſich das ausge⸗ trocknete Becken eines Springbrunnens hütend, aber aus dem aufwärts⸗ zeigenden Stifte ſprang kein Waſſer mehr; der Wind hatte das Becken halb mit feinem Sande angrfüllt; aus den Randſimſen quollen Halme Stifter. 4. Aufl. I. 19