Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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Simon, und auch der Brief von Robert. Nachdem ihn der Wanderer geleſen, zahlte er an Vater Erasmus die Wochenrechnung, ſagte, daß er heute nicht die Knechte aus den Gebirgen, die Jäger und andere Samſtags⸗ gäſte der grünen Fichtau abwarten könne, ſondern, daß er noch heute nach Priglitz gehen, und bei Robert übernachten wolle— etwa nach ein paar Tagen komme er wieder zurück; ſeine Sachen ſollen indeß auf ſeinem Zimmer verſchloſſen bleiben.

Und ſomit war dieß unſer letzter Blick in die Fichtau. Heinrich ging erſt ſpät Abends fort, und wie er der Steinwand entlang ging und um ſie herumbog, ſo verſank hinter ihm und auch hinter uns die ganze liebe grüne Fichtau mit allen ihren bereits angezündeten Lichtern, mit ihren fröhlichen Samſtagsgäſten, und dem abendlichen Klingen der Zittern. Nur die rauſchende Pernitz ging mit ihm, und erzählte und plauderte ihm in der Finſterniß vor, bis ſie Beide hinauskamen in das breitere Thal und an die Mauern von Priglitz.

Des andern Tags war wieder ein Sonntag, der nächſte ſeit jenem, wo wir die Geſellſchaft auf ihrer Kirchenfahrt begleitet hatten; aber heute finden wir die zwei Freunde, Robert und Heinrich, allein, wie ſie, ehe noch die Strahlen des ganz heitern Tages heiß zu werden begannen, den verhängnißvollen Berg zu dem Schloſſe Rothenſtein hinanſtiegen. Den ebenen Weg hatten ſie mit einem Wagen zurückgelegt. Am Fuße des Berges nahm ſie eine Allee uralter dichtbehaarter Fichten auf, und leitete ſie empor. Die laue Vormittagsluft ſeufzte ſchwermüthig in den Zwei⸗ gen, und je höher ſie kamen, wurde es immer einſamer, und das ſonn⸗ tägliche Schweigen der Fluren wurde immer noch tiefer und noch ſchwei⸗ gender. Endlich gelangten ſie zu einer grauen, von dichten Fichtenzwei⸗ gen geſtreichelten eiſenglatten Mauer von ungewöhnlicher Höhe. Dem Fahrwege der Allee gegenüber ſtand der weiße Fleck des zugemauerten Thores, und darüber ſtarrten mißſtimmige Trümmer eines Wappens.

Robert duckte ſich unter das zwiſchen den Fichtenſtämmen wuchernde Haſelgeſträuch, ging etwas neben der Mauer fort, und dann drückte er gegen einen hervorſtehenden eiſernen Knopf, worauf im Innern eine grelle Glockenſtimme antwortete. Allein, nachdem die unaufhörlich wackelnden Töne des Metalles geendet hatten, war es wieder ſtille, wie zuvor, nur daß ſich in der beginnenden Tageswärme ein vielſtimmiges Grillenzirpen auf dem Berge erhob.