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zerriſſenen Sage, oder einem ſtummen Mauerſtücke erzählet wird, denen wir es wieder nur eben ſo dunkel und mangelhaft nacherzählen können. Zu Ende verſprechen wir wieder in die Gegenwart einzulenken, und ſo ein dämmerndes, düſteres Bild in einen heitern freundlichen Rahmen ge⸗ ſtellt zur Anſicht zu bringen.
Heinrich hatte nämlich von Robert das Verſprechen erhalten, daß er ſich bemühen wolle, ihm den Eintritt in den verfallenden Rothenſtein zu verſchaffen, und daß er ihm den Erfolg ſeiner Bemühungen in einem Briefe mittheilen werde, der zugleich Ort und Zeit der Zuſammenkunft feſtſtelle.
Ehe wir ſie nun auf den alten Berg und in das alte Schloß gelei⸗ ten, iſt es uns noch gegönnt, den letzten Rückblick in das Fichtauer Thal zu thun, und zu ſagen, daß die Forellen des Vater Erasmus ganz vor⸗ trefflich waren, daß Thrine, Anna, Robert und der Wanderer beim Schmiede im Garten ſpeiſ'ten, daß nach Tiſch ein ergötzliches Scheiben⸗ ſchießen war, daß ſich manche heitere und luſtige Gäſte in der grünen Fichtau vorfanden, daß Anna im Laufe des Abends einmal der ſchnee⸗ weißen Thrine ohne allen Grund um den Hals fiel, und endlich, daß die Stadtleute erſt nach Hauſe fuhren, da ſchon alle Sterne am Himmel ſtanden. Gleich darauf, da ſchon auch alle Lichter der grünen Fichtau ausgelöſcht waren, trat det Mond heimlich über den Berg herüber, und ſchaute in den Garten, ob er wieder das ſüße, flüſternde, verſtohlene Glück erblicke, wie geſtern— allein es war nicht da; Gebüſch und Gar⸗ ten ſtanden leer, und die ganze Nacht erblickte er nichts anderes, als die glänzenden Lichttropfen der Gräſer, und das ſilberne Rieſeln der Waſſer.
Dem bewegten Sonntage folgte die arbeitsvolle Schleppe der Woche: Simon und der Schecke fuhren landaus, landein, die Säge⸗ mühle kreiſchte, die Schmiede toſete; Erasmus handirte und wirthſchaf⸗ tete, Anna ging hier und dort, oder ſtand und dichtete. Freilich hielt ſie treu ihr Wort in Hinſicht des freundlichen Anſchauens, aber auch in Hin⸗ ſicht der Weigerung, je wieder mit Heinrich allein beiſammen zu ſein. Er ſah ſie nur von ferne, er ſah ſie gehen und kommen, oder ihr liebes Kleid ſanft ſchimmern zwiſchen den Büſchen des Gartens.
So verging die Zeit. Der Flachs blühte im Aſang draußen immer blauer und blauer, die Tage wurden einer ſchöner als der andere, und ſo kam endlich auch wieder der Samſtag, und mit ihm der Schecke, und


